Dieses Kapitel thematisiert die diskursive Konstruktion bewusstseinsverändernder Substanzen und deren Bedeutungswandel. Während Cannabis und Psychedelika lange kriminalisiert wurden, zeichnet sich eine Rehabilitierung ab. Eine zentrale Rolle spielt die Ausdifferenzierung des bislang hegemonialen medizinisch-psychiatrischen Diskurses. Am Beispiel von Psychedelika wird gezeigt, wie deren frühere negative Medikalisierung als gesundheitsgefährdende Substanzen zunehmend durch eine Rahmung als Heilmittel ergänzt wird. Dies stellt eine diskursive Engführung dar, die die Vielfalt unproblematischer Verwendungsweisen ausblendet. Auch bei Cannabis zeigt sich, wie das existierende Kräftefeld von Politik, Verwaltung und Wissenschaft dazu führt, dass die Schweizer Pilotversuche den nicht medizinischen Konsum überwiegend aus medizinischer und präventionsorientierter Perspektive untersuchen. Parallel zu den Liberalisierungsbestrebungen gewinnt der „Marktwirtschafts“-Diskurs an Bedeutung, in dessen neoklassischer Ausprägung nur profitorientierte Produktions- und Handelsmodelle denkbar sind. Auch das stellt eine Engführung dar, die die Untersuchung angemessener, nicht oder nicht ausschließlich kommerzieller Ökonomien bewusstseinsverändernder Substanzen marginalisiert.

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Auf einem Auge blind. Wie Forschung den Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen medikalisiert

  • Niklaus Reichle,
  • Florian Elliker

摘要

Dieses Kapitel thematisiert die diskursive Konstruktion bewusstseinsverändernder Substanzen und deren Bedeutungswandel. Während Cannabis und Psychedelika lange kriminalisiert wurden, zeichnet sich eine Rehabilitierung ab. Eine zentrale Rolle spielt die Ausdifferenzierung des bislang hegemonialen medizinisch-psychiatrischen Diskurses. Am Beispiel von Psychedelika wird gezeigt, wie deren frühere negative Medikalisierung als gesundheitsgefährdende Substanzen zunehmend durch eine Rahmung als Heilmittel ergänzt wird. Dies stellt eine diskursive Engführung dar, die die Vielfalt unproblematischer Verwendungsweisen ausblendet. Auch bei Cannabis zeigt sich, wie das existierende Kräftefeld von Politik, Verwaltung und Wissenschaft dazu führt, dass die Schweizer Pilotversuche den nicht medizinischen Konsum überwiegend aus medizinischer und präventionsorientierter Perspektive untersuchen. Parallel zu den Liberalisierungsbestrebungen gewinnt der „Marktwirtschafts“-Diskurs an Bedeutung, in dessen neoklassischer Ausprägung nur profitorientierte Produktions- und Handelsmodelle denkbar sind. Auch das stellt eine Engführung dar, die die Untersuchung angemessener, nicht oder nicht ausschließlich kommerzieller Ökonomien bewusstseinsverändernder Substanzen marginalisiert.