Lebensprobleme und psychiatrisch-psychosomatische Diagnosen an den Schnittstellen von Lebenswelt, Medizin und Sozialem Sicherungssystem
摘要
Psychosomatische Akutbehandlung und Rehabilitation sind zentrale Orte, an denen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, Anpassungs- und Somatisierungsstörungen und Lebensproblemen in biografischen Krisen verdichtet aufeinandertreffen. Hintergründe des seelischen Leidens werden dort in ihren biografischen und milieuspezifischen Bezügen exemplarisch sichtbar und lassen sich auch in ihren aktuellen gesellschaftlichen Dimensionen, etwa angesichts der Zunahme der sogenannten Common Mental Disorders (Handerer et al., 2018) soziologisch deuten. Anhand der Ergebnisse zweier qualitativ ausgerichteter Studien – die eine an psychosomatischen Akutkliniken (Dreßke, 2022), die andere an psychosomatischen Rehabilitationskliniken (von Kardorff et al., 2021) – beleuchten wir im Folgenden beispielhaft einige Probleme und Paradoxien, die sich aus der Transformation von Lebensproblemen in psychiatrische bzw. psychosomatische Diagnosen für die betroffenen Menschen selbst und für den gesellschaftlich organisierten Umgang mit biografisch wie sozial bedingten psychischen Krisen ergeben und fragen danach, was dies für die disziplinäre und professionelle Konstruktion pathologisierender Kategorien bedeutet.