Das sechste Kapitel stellt die zentralen Ergebnisse der Studie dar: So gewinnt eine nach den Mechanismen sozialer Medien für junge Zielgruppen aktualisierte und modifizierte Form des radikal subjektiven New Journalism an Kontur. Journalistische Wirklichkeit konstruieren Reporter:innen über eine an Zielgruppen- und Lebenswelt-Themen junger Publika orientierte Thematisierung, hybride Web-Reportagen, die konsequent eigener Meinung bzw. Haltung sowie subjektive Perspektiven integrieren sowie durch eine starke Fokussierung auf sich selbst und auf die Protagonist:innen als Quellen und Akteure. Die Unterschiede zwischen verschiedenen empirisch rekonstruierbaren subjektiven Journalismen wie die eher reporter- bzw. recherche-getriebenen Slow Journalism und Gonzo-Journalismus oder die stärker protagonisten- bzw. emotions-getriebenen empathischer Journalismus und Selfie-Journalismus werden am Beispiel der ausgewählten funk-Formate Y-Kollektiv, STRG_F, reporter, follow me.reports und Die Frage herausgearbeitet. Für subjektiv modifizierte Praktiken wie thesengeleitete Recherche, interpretatives Storytelling, On-Presenting oder ein reflexives Framing greifen die Reporter:innen auf Modalitäten von Signifikationsregeln und autoritative Ressourcen wie persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, eigene Meinungen und Haltungen sowie subjektive Darstellungs- und Erzählmuster zurück, die von der authentisch konstruierten journalistischen Subjektivität zu einem nunmehr artifiziell inszenierten „strategischen Ritual“ degenerieren, wenn Praxiskonstellationen wie die storybasierte Enthüllung, teilnehmende Beobachtung, emotionale Befragung oder selbstzentrierte Begleitung repetitiv Subjektivität in alle journalistischen Praktiken weben. Als Leistungspotenziale des subjektiven Journalismus sind jene Qualitätskriterien wie Emotionalität, Exklusivität, Narrativität, Authentizität und Partizipativität deutlich stärker ausgeprägt, als z. B. Transparenz und Vielfalt von Quellen oder Kontextualität und Relevanz.

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Darstellung und Diskussion der empirischen Erkenntnisse entlang der Prozesse und Konzepte des subjektiven Journalismus

  • Janis Brinkmann

摘要

Das sechste Kapitel stellt die zentralen Ergebnisse der Studie dar: So gewinnt eine nach den Mechanismen sozialer Medien für junge Zielgruppen aktualisierte und modifizierte Form des radikal subjektiven New Journalism an Kontur. Journalistische Wirklichkeit konstruieren Reporter:innen über eine an Zielgruppen- und Lebenswelt-Themen junger Publika orientierte Thematisierung, hybride Web-Reportagen, die konsequent eigener Meinung bzw. Haltung sowie subjektive Perspektiven integrieren sowie durch eine starke Fokussierung auf sich selbst und auf die Protagonist:innen als Quellen und Akteure. Die Unterschiede zwischen verschiedenen empirisch rekonstruierbaren subjektiven Journalismen wie die eher reporter- bzw. recherche-getriebenen Slow Journalism und Gonzo-Journalismus oder die stärker protagonisten- bzw. emotions-getriebenen empathischer Journalismus und Selfie-Journalismus werden am Beispiel der ausgewählten funk-Formate Y-Kollektiv, STRG_F, reporter, follow me.reports und Die Frage herausgearbeitet. Für subjektiv modifizierte Praktiken wie thesengeleitete Recherche, interpretatives Storytelling, On-Presenting oder ein reflexives Framing greifen die Reporter:innen auf Modalitäten von Signifikationsregeln und autoritative Ressourcen wie persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, eigene Meinungen und Haltungen sowie subjektive Darstellungs- und Erzählmuster zurück, die von der authentisch konstruierten journalistischen Subjektivität zu einem nunmehr artifiziell inszenierten „strategischen Ritual“ degenerieren, wenn Praxiskonstellationen wie die storybasierte Enthüllung, teilnehmende Beobachtung, emotionale Befragung oder selbstzentrierte Begleitung repetitiv Subjektivität in alle journalistischen Praktiken weben. Als Leistungspotenziale des subjektiven Journalismus sind jene Qualitätskriterien wie Emotionalität, Exklusivität, Narrativität, Authentizität und Partizipativität deutlich stärker ausgeprägt, als z. B. Transparenz und Vielfalt von Quellen oder Kontextualität und Relevanz.