Kann es heute noch ein ‚feministisches Wir‘ oder ‚Solidarität zwischen Frauen‘ geben?
摘要
In unseren gemeinsamen Paderborner Jahren haben Birgit Riegraf und ich viel über Fragen der Tradierung feministischen Denkens und feministischer Positionen gesprochen. Etliche dieser Überlegungen haben sich in gemeinsamen Projekten, Tagungen und Veröffentlichungen niedergeschlagen (vgl. Rendtorff et al. 2014, 2015, 2019). Auch die Frage des Zusammenhalts und der gemeinsam geteilten politischen Verantwortung hat dabei oft eine Rolle gespielt – und in diesem Kontext steht auch der folgende Beitrag. Denn wie, gegenüber wem und unter welchen Umständen Solidarität entstehen, gefordert oder hervorgerufen werden kann, ist für alle politischen Bewegungen und an politischer Veränderung Interessierten elementar, aber nicht leicht zu beantworten. Einerseits stellt sich die Frage, ob es überhaupt angebracht ist, den Ausdruck ‚Wir‘ zu verwenden, und andererseits gilt es zu klären, was Solidarität überhaupt ist, auf wen sich solidarische Akte beziehen und welche Gründe jemanden veranlassen könnten, solidarisch zu handeln. Und nicht zuletzt muss das Problem der Freiwilligkeit diskutiert werden – sind solidarische Akte „supererogatorisch“, also „lobenswert, aber nicht verbindlich“ (Bayertz 1998, S. 14), oder folgen sie einer Verpflichtung? Und woraus könnte sich diese ableiten? Nicht alle diese Aspekte können im Folgenden angemessen diskutiert werden, aber vielleicht ergeben sich einige hilfreiche Überlegungen.