Für eine lange Zeit war das Konzept der hegemonialen Männlichkeit die zwar nie unumstrittene, gleichwohl etablierte Leitkategorie der Männlichkeitsforschung. In jüngerer Zeit hat eine Reihe neuer Männlichkeitsbegriffe, die sich entweder als Ergänzung oder als Alternative verstehen, Eingang in die Theoriediskussion der Männlichkeitsforschung gefunden, u. a. caring, inclusive und hybrid masculinity. Dies lässt sich als Indikator begreifen, dass das in den 1980er-Jahren entwickelte Theorem der hegemonialen Männlichkeit einer kritischen Diskussion bedarf. Hintergrund dessen sind Veränderungen der gesellschaftlichen Ordnung und der Geschlechterverhältnisse, insbesondere die Entwicklung von einer sozialstaatlich verfassten Industriegesellschaft hin zu einer globalisierten neoliberalen Ordnung, die wachsende Involvierung von Vätern in den Alltag der Kinderbetreuung und eine Entstigmatisierung von Homosexualität. Die neuen Männlichkeitsbegriffe sowie die in diesem Kontext betriebene Theoriediskussion sind vorwiegend auf Brüche und Veränderungen tradierter hegemonialer Männlichkeitskonstruktionen fokussiert. In dieser Diskussion wenig beachtet sind Gegenbewegungen, die auf eine Re-Installierung von Männlichkeitskonstruktionen zielen, welche die industriegesellschaftliche Geschlechterordnung kennzeichnen. Der Blick hierauf zeigt, dass Männlichkeit ein vielfältig umkämpftes politisches Terrain ist. Zudem wirft die Rückkehr des Krieges nach Europa die Frage auf, ob es in dessen Kontext zu einer Aufwertung militärischer Männlichkeit kommt. Beides ist für die Beantwortung der Frage nach dem Stellenwert von hegemonialer Männlichkeit als analytische Kategorie zu beachten.

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Hegemoniale Männlichkeit – Leitkategorie oder überholtes Konzept der Männlichkeitsforschung?

  • Michael Meuser

摘要

Für eine lange Zeit war das Konzept der hegemonialen Männlichkeit die zwar nie unumstrittene, gleichwohl etablierte Leitkategorie der Männlichkeitsforschung. In jüngerer Zeit hat eine Reihe neuer Männlichkeitsbegriffe, die sich entweder als Ergänzung oder als Alternative verstehen, Eingang in die Theoriediskussion der Männlichkeitsforschung gefunden, u. a. caring, inclusive und hybrid masculinity. Dies lässt sich als Indikator begreifen, dass das in den 1980er-Jahren entwickelte Theorem der hegemonialen Männlichkeit einer kritischen Diskussion bedarf. Hintergrund dessen sind Veränderungen der gesellschaftlichen Ordnung und der Geschlechterverhältnisse, insbesondere die Entwicklung von einer sozialstaatlich verfassten Industriegesellschaft hin zu einer globalisierten neoliberalen Ordnung, die wachsende Involvierung von Vätern in den Alltag der Kinderbetreuung und eine Entstigmatisierung von Homosexualität. Die neuen Männlichkeitsbegriffe sowie die in diesem Kontext betriebene Theoriediskussion sind vorwiegend auf Brüche und Veränderungen tradierter hegemonialer Männlichkeitskonstruktionen fokussiert. In dieser Diskussion wenig beachtet sind Gegenbewegungen, die auf eine Re-Installierung von Männlichkeitskonstruktionen zielen, welche die industriegesellschaftliche Geschlechterordnung kennzeichnen. Der Blick hierauf zeigt, dass Männlichkeit ein vielfältig umkämpftes politisches Terrain ist. Zudem wirft die Rückkehr des Krieges nach Europa die Frage auf, ob es in dessen Kontext zu einer Aufwertung militärischer Männlichkeit kommt. Beides ist für die Beantwortung der Frage nach dem Stellenwert von hegemonialer Männlichkeit als analytische Kategorie zu beachten.