Die Bedeutung von Kreativität für den Arbeitsprozess
摘要
In diesem Kapitel wird bestimmt, was in der vorliegenden Arbeit unter Kreativität verstanden wird. Dies geschieht durch die Diskussion zweier zentraler Annahmen der Debatte über Kreativität im Arbeitsprozess. Die erste Annahme lautet, dass im Zentrum der kreativen Arbeit das Erschaffen von Neuem steht. Es wird gezeigt, dass das Hervorbringen von Neuem in der Tat wichtig für kreatives Arbeiten ist, dies jedoch nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden kann. Hieraus resultiert ein Verständnis von Kreativität, welches diese als Ressource bestimmt, deren Einsatz geplant und strukturiert werden muss. Die zweite Annahme bezieht sich auf die Möglichkeit, kreatives Potenzial einzubringen. Sie lautet, dass es unter standardisierten Arbeitsbedingungen nicht möglich ist, kreativ tätig zu sein. Anhand der Betrachtung von hochgradig standardisierten industriellen Arbeitsprozessen wird dargestellt, dass dieser Annahme nicht zuzustimmen ist. Im Gegenteil wird argumentiert, dass Kreativität den Subjekten eine Möglichkeit bietet, sich von Dritten (z. B. dem Management) unvorhergesehen auf bestehende Strukturen zu beziehen, und sogar notwendig ist, um den Arbeitsprozess zu bewältigen. Mit diesem am konkreten Gegenstand gebildeten Verständnis von Kreativität wird argumentiert, dass es unter ökonomischen Bedingungen unwahrscheinlich ist, dass Standardisierungsprozesse auf Ebene von Produkt, Prozess und Handlung für die Arbeit von Solo-Selbstständigen keine Rolle spielen. Um einen genaueren Blick auf die Bedeutung von Kreativität für den Arbeitsprozess werfen zu können, werden fünf Dimensionen aufgerufen, die wesentlich Einfluss auf das Einbringen von Kreativität nehmen können: Kontrolle, subjektives Potenzial, kollektive Prozesse, Erfahrungswissen und Unternehmer:innentum. Diese Dimensionen dienen zudem der nachfolgenden empirischen Analyse als erste deduktiv gebildete Kategorien.