Radikale Demokratietheorie
摘要
„Das Handbuch zur radikalen Demokratietheorie stellt ein Denken vor, das den derzeitigen demokratietheoretischen Mainstream herausfordert“. Mit diesen Worten leiten die Herausgeber einen mehr als 800 Seiten umfassenden Sammelband zur Radikalen Demokratietheorie ein, der ideengeschichtliche Ursprünge, Hauptvertreter, Themenfelder, Schlüsselbegriffe und Kontroversen dieser Lehre vorstellt (Comtesse et al. 2020, S. 11). Dem Mainstream werfen die Herausgeber dieses Bandes und andere Fürsprecher der Radikalen Demokratietheorie schwere Versäumnisse vor. Die empirischen Demokratietheorien verkürzten die Demokratie auf Regierungssysteme, Staatsformen und Verfahren. Und die normativ-analytische Denkrichtung der Demokratieforschung blende den „gestaltbaren, streithaften und stets unberechenbaren Charakter von Politik und Demokratie“ aus (Flügel-Martinsen 2020, S. 24). Wie die empirischen Theorien verfehle auch die normative Richtung regelmäßig den emanzipatorischen und egalitären Charakter der Demokratie. In der modernen Demokratie seien zwei Traditionen verknüpft worden: Die erste sei die liberale Tradition. Sie betone persönliche Freiheit und Menschenrechte. Die zweite sei die eigentliche demokratische Tradition. In ihr gäben Gleichheit und Volkssouveränität den Ton an. Die Verknüpfung sei allerdings zunehmend asymmetrisch. Sie sei mittlerweile „zugunsten der liberalen Seite“ und zu Lasten der Volkssouveränität „weitgehend aufgelöst worden“. Demokratie werde hierdurch auf „Verteidigung des Rechtsstaats und der Menschenrechte“ verkürzt, die Gleichheit vernachlässigt und die Volkssouveränität „für obsolet erklärt“ (Marchart 2020, S. 375).