Das Kapitel untersucht anhand einer Parallelisierung der Entwicklung von Bildtelefonie- und Videokonferenzmedien einerseits und der Nutzungsgeschichte von Telekommunikationsmedien durch Gebärdensprachler*innen andererseits exemplarisch die systematische Marginalisierung nicht normkonformer Mediennutzer*innen in der Praxis der Technikentwicklung. Auf der Grundlage historischer Fallbeispiele aus den USA und der Bundesrepublik Deutschland seit den 1960er-Jahren zeigt das Kapitel, wie sich Vorstellungen über nichtbeeinträchtigte Körperlichkeit und Praktiken lautsprachlicher Kommunikation als implizite Normen in Medientechnologien einschreiben. Dieser technologieinhärente Ableismus führte in der Geschichte der visuellen Telekommunikation immer wieder dazu, dass Gebärdensprachler*innen technische Funktionalitäten und Nutzungsmöglichkeiten nicht oder nur in unzureichendem Maße zur Verfügung standen. Das Kapitel argumentiert, dass die Diskrepanz zwischen fiktiven und realen Nutzer*innen regelmäßig einen erhöhten Infrastrukturierungsaufwand auf Seiten gehörloser Mediennutzer*innen produziert, weil nicht normkonforme Kommunikations- und Medienpraktiken durch Formen infrastrukturierender Übersetzungsarbeit an die ableistischen Technologien und Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft angepasst werden müssen. Im Rückgriff auf das von Jonathan Sterne und Mara Mills geprägte Konzept der dismediation plädiert das Kapitel für eine dis/ability-sensitive Medienhistoriografie.

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Kaskaden der Marginalisierung und randständige Infrastrukturierung

  • Axel Volmar

摘要

Das Kapitel untersucht anhand einer Parallelisierung der Entwicklung von Bildtelefonie- und Videokonferenzmedien einerseits und der Nutzungsgeschichte von Telekommunikationsmedien durch Gebärdensprachler*innen andererseits exemplarisch die systematische Marginalisierung nicht normkonformer Mediennutzer*innen in der Praxis der Technikentwicklung. Auf der Grundlage historischer Fallbeispiele aus den USA und der Bundesrepublik Deutschland seit den 1960er-Jahren zeigt das Kapitel, wie sich Vorstellungen über nichtbeeinträchtigte Körperlichkeit und Praktiken lautsprachlicher Kommunikation als implizite Normen in Medientechnologien einschreiben. Dieser technologieinhärente Ableismus führte in der Geschichte der visuellen Telekommunikation immer wieder dazu, dass Gebärdensprachler*innen technische Funktionalitäten und Nutzungsmöglichkeiten nicht oder nur in unzureichendem Maße zur Verfügung standen. Das Kapitel argumentiert, dass die Diskrepanz zwischen fiktiven und realen Nutzer*innen regelmäßig einen erhöhten Infrastrukturierungsaufwand auf Seiten gehörloser Mediennutzer*innen produziert, weil nicht normkonforme Kommunikations- und Medienpraktiken durch Formen infrastrukturierender Übersetzungsarbeit an die ableistischen Technologien und Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft angepasst werden müssen. Im Rückgriff auf das von Jonathan Sterne und Mara Mills geprägte Konzept der dismediation plädiert das Kapitel für eine dis/ability-sensitive Medienhistoriografie.