Die Kritik am Mangel unterhaltsamer Inspirationen aus der als zu komplex diskreditierten Wissenschaft ist noch aus einem anderen Grund obsolet: Sie ist schlichtweg falsch und kaschiert eine interessanten Widerspruch: Die meisten Publikationen des Geschäftsfeldes der Simplifizierung sind nichts anderes als Neuauflagen längst verhandelter Themen. Und auch das mit dem fehlenden Unterhaltsungswert stimmt nicht,wie in diesem Kapitel unter anderem an den „kleinen Schriften“ Immanuel Kants, an Robert K. Mertons Büchern und der zum Teil geradezu kabarettistischen Selbstkritik der Wirtschaftswissenschaft bewiesen wird. Es bestätigt sich die These des intellektuellen Reichtums der „Bildungsrepublik“ auch aus der Sicht ihrer Tradition. Ungeklärte Fragen bleiben aber. Zum Beispiel wäre es an der Zeit, im Sinne „investigativer Wissenschaft“ zu untersuchen, welche Wirkungen die Simplifizierungsindustrie eigentlich hat. Und zweitens, wie die repräsentativ Tätigen das Vertrauen in eine Arbeit begründen, die oft nur von wenigen Insidern verstanden wird – aber zur Fortführung der Forschung und der darauf aufbauenden Diskurse in der Scientific Community unersetzlich ist. So entsteht die Verantwortung eines „neuen Bildungsbürgertums“. Und das sind wir alle.

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Nostalgia, zukunftsorientiert

  • Holger Rust

摘要

Die Kritik am Mangel unterhaltsamer Inspirationen aus der als zu komplex diskreditierten Wissenschaft ist noch aus einem anderen Grund obsolet: Sie ist schlichtweg falsch und kaschiert eine interessanten Widerspruch: Die meisten Publikationen des Geschäftsfeldes der Simplifizierung sind nichts anderes als Neuauflagen längst verhandelter Themen. Und auch das mit dem fehlenden Unterhaltsungswert stimmt nicht,wie in diesem Kapitel unter anderem an den „kleinen Schriften“ Immanuel Kants, an Robert K. Mertons Büchern und der zum Teil geradezu kabarettistischen Selbstkritik der Wirtschaftswissenschaft bewiesen wird. Es bestätigt sich die These des intellektuellen Reichtums der „Bildungsrepublik“ auch aus der Sicht ihrer Tradition. Ungeklärte Fragen bleiben aber. Zum Beispiel wäre es an der Zeit, im Sinne „investigativer Wissenschaft“ zu untersuchen, welche Wirkungen die Simplifizierungsindustrie eigentlich hat. Und zweitens, wie die repräsentativ Tätigen das Vertrauen in eine Arbeit begründen, die oft nur von wenigen Insidern verstanden wird – aber zur Fortführung der Forschung und der darauf aufbauenden Diskurse in der Scientific Community unersetzlich ist. So entsteht die Verantwortung eines „neuen Bildungsbürgertums“. Und das sind wir alle.