Auflösungen (in) der Zeit und Bilder der Vergemeinschaftung. Flow als ästhetisches Erleben und filmische Wahrnehmungsmodalität im Sportfilm am Beispiel von Miracle
摘要
Der Beitrag untersucht am Beispiel des Eishockeyfilms Miracle (Miracle – Das Wunder von Lake Placid, CAN/USA 2004) eine Standardszene des Sportfilms, die Trainingsmontagesequenz. Dabei kommt diese weniger als ein erzählerisches Mittel im Sinne einer Handlungslogik, sondern als Ausprägung einer für die Affektpoetik des Genres zentralen Wahrnehmungsmodalität in den Blick: jener des Flows. Um den Begriff des Flows aus seiner anthropologischen und (individual-)psychologischen Einbettung zu lösen und für eine Analyse filmischer Erfahrung fruchtbar zu machen, wird zuerst dessen prominenteste und auf die sportliche Aktivität abzielende Konzeptualisierung durch Susan A. Jackson und Mihály Csíkszentmihályi (1999) hinsichtlich ihrer medienästhetischen Potenziale betrachtet und mit einer Theorie von Ausdrucksbewegung, filmischer Erfahrung und filmischem Denken (vgl. Kappelhoff 2018) enggeführt. Entlang analytischer Skizzen der beispielhaften, die ersten zwei Drittel des Films Miracle strukturierenden Trainingsmontagesequenz entwickelt der Beitrag Flow dann als eine Modalität (sport-)filmischer Erfahrung und rückt die möglichen inszenatorischen Gestaltungsweisen und affektdramaturgischen Ausformungen dieser Modalität sowie deren wahrnehmungstheoretisch weltenbildende und damit politische Funktion in den Blick. Leitend ist dabei die These, dass Flow aus einer sportfilmästhetischen Perspektive nicht einfach nur als Verbildlichung eines subjektiven Geisteszustands oder einer individuellen Gemütsverfassung, sondern als ein Phänomen subjektivierender Vergemeinschaftung zu verstehen ist, die auch in der Spieltheorie und der Sportwissenschaft immer wieder eine Rolle spielt und gleichzeitig auch reflexiv auf die Filmerfahrung bezogen ist.