Dass die transatlantische Sklaverei als historische Formation der Vergangenheit angehört, bedeutet nicht, dass ihre Geschichte vorbei ist. Ihr Erbe wirkt immer noch fort und hört nicht auf, die Gegenwart zu deformieren. Für eine kritisch-phänomenologisch orientierte Auseinandersetzung mit diesem Teil der kolonialen Gewaltgeschichte geht damit eine methodische Schwierigkeit einher: Wenn es um die Stimmen und Perspektiven derer geht, die jene Gewalt nicht verübt, sondern erlitten haben, stößt man in den Archiven größtenteils auf Abwesenheit und Schweigen. Das verleiht dem Nachleben der transatlantischen Sklaverei selbst etwas Geisterhaftes, Spektrales und schwer Fassbares. Sich ihm zuzuwenden bedeutet, sich der dem Diskurs abgewandten Seite der Realgeschichte zu stellen: den Toten, deren Namen ausgelöscht wurden, den Stimmen, die verdrängt und vergessen sind, den Leerstellen in den Archiven und singulären Geschichten hinter den anonymen Zahlen der Opfer. Anhand einer Lektüre von Toni Morrisons Roman Beloved geht Fabian Bernhardt der Frage nach, wie es um das geisterhafte Nachleben der transatlantischen Sklaverei bestellt ist. Dies wirft zugleich die Frage auf, wie es die Philosophie mit ihren eigenen Geistern hält. Die Zukunft der Philosophie hängt nicht zuletzt davon ab, inwiefern es ihr gelingt, das koloniale Erbe als Teil ihrer eigenen Geschichte anzuerkennen.

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Affektives Nachleben. Über Geister, Geschichte und Gerechtigkeit

  • Fabian Bernhardt

摘要

Dass die transatlantische Sklaverei als historische Formation der Vergangenheit angehört, bedeutet nicht, dass ihre Geschichte vorbei ist. Ihr Erbe wirkt immer noch fort und hört nicht auf, die Gegenwart zu deformieren. Für eine kritisch-phänomenologisch orientierte Auseinandersetzung mit diesem Teil der kolonialen Gewaltgeschichte geht damit eine methodische Schwierigkeit einher: Wenn es um die Stimmen und Perspektiven derer geht, die jene Gewalt nicht verübt, sondern erlitten haben, stößt man in den Archiven größtenteils auf Abwesenheit und Schweigen. Das verleiht dem Nachleben der transatlantischen Sklaverei selbst etwas Geisterhaftes, Spektrales und schwer Fassbares. Sich ihm zuzuwenden bedeutet, sich der dem Diskurs abgewandten Seite der Realgeschichte zu stellen: den Toten, deren Namen ausgelöscht wurden, den Stimmen, die verdrängt und vergessen sind, den Leerstellen in den Archiven und singulären Geschichten hinter den anonymen Zahlen der Opfer. Anhand einer Lektüre von Toni Morrisons Roman Beloved geht Fabian Bernhardt der Frage nach, wie es um das geisterhafte Nachleben der transatlantischen Sklaverei bestellt ist. Dies wirft zugleich die Frage auf, wie es die Philosophie mit ihren eigenen Geistern hält. Die Zukunft der Philosophie hängt nicht zuletzt davon ab, inwiefern es ihr gelingt, das koloniale Erbe als Teil ihrer eigenen Geschichte anzuerkennen.