Die Plattformökonomie steht in der Kritik, soziale Ungleichheiten zu verschärfen. Dieser Beitrag bezieht sich auf diese Diskussion und untersucht, inwiefern und wie soziale Ungleichheiten in der Plattformarbeit reproduziert werden. Die erste zentrale Frage ist jene nach der Prekarität dieser Form der Arbeit. Die zweite Frage des Beitrags bezieht sich auf die Rolle der klassischen Ungleichheitsdimensionen Gender und Bildung in der Plattformarbeit. Dabei werden Ungleichheiten im Hinblick auf das Einkommen, die Arbeitsbelastung und die subjektive Wahrnehmung der Plattformarbeit untersucht. Die Studie folgt einem komparativen Ansatz, der die Rolle institutioneller Faktoren für die Arbeitsmarkt- und Ungleichheitsforschung hervorhebt. Die empirische Analyse beruht auf Fallstudien von 15 Plattformen in Deutschland und den USA sowie auf einer Onlinebefragung von Crowdworker*innen in beiden Ländern. Obwohl Plattformenarbeit ein globales Organisationsmodell ist, zeigt sich, dass die Einbettung der Plattformen in unterschiedliche Formen des Kapitalismus durchaus von Bedeutung ist. Die länderspezifischen Formen der Arbeitsmarktsegmentierung und der sozialen Sicherung beeinflussen, wer auf Plattformen arbeitet und wie stark die Abhängigkeit von dieser Arbeit ist. Je schwächer die sozialen Sicherungsnetze, umso ausgeprägter ist das Janusgesicht der Plattformarbeit: es bietet eine flexible Einkommensquelle, allerdings unter sehr prekären Bedingungen. Je stärker die sozialen Sicherungsnetze, umso stärker wiederum die Marktmacht der Plattformarbeiter*innen gegenüber den Plattformen.

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Plattformarbeit und soziale Ungleichheit in Deutschland und den USA

  • Martin Krzywdzinski,
  • Christine Gerber

摘要

Die Plattformökonomie steht in der Kritik, soziale Ungleichheiten zu verschärfen. Dieser Beitrag bezieht sich auf diese Diskussion und untersucht, inwiefern und wie soziale Ungleichheiten in der Plattformarbeit reproduziert werden. Die erste zentrale Frage ist jene nach der Prekarität dieser Form der Arbeit. Die zweite Frage des Beitrags bezieht sich auf die Rolle der klassischen Ungleichheitsdimensionen Gender und Bildung in der Plattformarbeit. Dabei werden Ungleichheiten im Hinblick auf das Einkommen, die Arbeitsbelastung und die subjektive Wahrnehmung der Plattformarbeit untersucht. Die Studie folgt einem komparativen Ansatz, der die Rolle institutioneller Faktoren für die Arbeitsmarkt- und Ungleichheitsforschung hervorhebt. Die empirische Analyse beruht auf Fallstudien von 15 Plattformen in Deutschland und den USA sowie auf einer Onlinebefragung von Crowdworker*innen in beiden Ländern. Obwohl Plattformenarbeit ein globales Organisationsmodell ist, zeigt sich, dass die Einbettung der Plattformen in unterschiedliche Formen des Kapitalismus durchaus von Bedeutung ist. Die länderspezifischen Formen der Arbeitsmarktsegmentierung und der sozialen Sicherung beeinflussen, wer auf Plattformen arbeitet und wie stark die Abhängigkeit von dieser Arbeit ist. Je schwächer die sozialen Sicherungsnetze, umso ausgeprägter ist das Janusgesicht der Plattformarbeit: es bietet eine flexible Einkommensquelle, allerdings unter sehr prekären Bedingungen. Je stärker die sozialen Sicherungsnetze, umso stärker wiederum die Marktmacht der Plattformarbeiter*innen gegenüber den Plattformen.