Noch Jugendstil oder schon Stil 1910?
摘要
Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 gab es in Deutschland wachsende soziale Spannungen und Arbeiterbewegungen, die durch Streiks Aufmerksamkeit erhielten. Technische Innovationen, wie die elektrische Straßenbahn oder das Automobil, veränderten das Stadtbild und die Lebensweise. Städte wuchsen stark, die „Gründerzeitviertel“ entstanden, aber auch Villenkolonien für wohlhabende Bürger. In der Architektur zeigte sich der „wilhelminische Kompromiss“ zwischen Jugendstil, Monumentalität und klassizistischen Elementen, verkörpert im Deutschen Werkbund (1907), der eine Verschmelzung von Kunst, Handwerk und Industrie anstrebte. Parallel dazu entwickelte sich in den USA die „Schule von Chicago“ mit bedeutenden Architekten wie Louis Sullivan und Frank Lloyd Wright, die neue Bauformen mit Stahlgerüsten und offenen Grundrissen schufen. In Europa entstand um 1910 eine nationale Architektur, etwa in Skandinavien, die auf regionaler Geschichte und Materialien beruhte. In den Niederlanden prägte Hendrik Petrus Berlage mit durchdachter Stadtplanung und Backsteinarchitektur das Stadtbild, unterstützt durch frühe Wohnungsbaugesetze. In Österreich entwickelte Otto Wagner eine Architektur, die Technik und Moderne mit sachlicher Ästhetik verband, und wurde Lehrer bedeutender Architekten wie Adolf Loos, der mit seinem radikalen Anti-Ornament-Vorstoß modernen Minimalismus vorwegnahm. Peter Behrens als Gründer des Corporate Designs prägte industrielle Architektur wie die AEG-Turbinenhalle als „Tempel der Arbeit“, während Walter Gropius mit der Schuhleistenfabrik Alfeld erste klar funktionalistische, transparente Bauten schuf und damit architektonisches Statement für neue soziale Anforderungen setzte.