Im Jahr 2015 verabschiedete der Internationale Kirchenkonvent eine Erklärung zur Situation der Geflüchteten in Deutschland. Darin verpflichteten sich die beteiligten Gemeinden zur Unterstützung geflüchteter Menschen und luden sie ein, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Christliche und muslimische Gemeinden sehen sich gleichermaßen aufgerufen, im Bereich der Flüchtlingshilfe Engagement zu zeigen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Wahrnehmung, dass der Migrationshintergrund kein Hindernis, sondern eine Ressource ist. Die beiden zentralen Analysedimensionen für den vorliegenden Beitrag sind zum einen der Übertritt von einer Phase der situativen, episodischen und niedrigschwelligen Nothilfe hin zu planvollen, strukturierten und langfristig orientierten Integrationsmaßnahmen sowie zum anderen eine religionsvergleichende Perspektive auf den möglichen Beitrag unterschiedlicher religiöser Migrant*innengemeinden zur nachhaltigen Unterstützung geflüchteter Menschen in Deutschland. Zugleich waren gesellschaftspolitische Debatten über Migrant*innenselbstorganisationen lange durch skeptische Wertbezüge und Sprachbilder geprägt; ein verbreitetes Bild in der öffentlichen Diskussion ist das der sogenannten „Parallelgesellschaft“. Konträr zu dieser defizitorientierten Perspektive hat sich in den vergangenen Jahren ein potentialorientierter Ansatz etabliert. Exemplarisch dafür greift der Beitrag quantitative Erkenntnisse zu den religiösen Hintergründen der Flüchtlingshilfe auf und rückt dabei vor allem zugewanderte religiöse Minderheiten in den Blick.

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Von der Nothilfe zur Integration? Die Rolle religiöser Migrant*innengemeinden in der Flüchtlingshilfe

  • Alexander-Kenneth Nagel

摘要

Im Jahr 2015 verabschiedete der Internationale Kirchenkonvent eine Erklärung zur Situation der Geflüchteten in Deutschland. Darin verpflichteten sich die beteiligten Gemeinden zur Unterstützung geflüchteter Menschen und luden sie ein, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Christliche und muslimische Gemeinden sehen sich gleichermaßen aufgerufen, im Bereich der Flüchtlingshilfe Engagement zu zeigen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Wahrnehmung, dass der Migrationshintergrund kein Hindernis, sondern eine Ressource ist. Die beiden zentralen Analysedimensionen für den vorliegenden Beitrag sind zum einen der Übertritt von einer Phase der situativen, episodischen und niedrigschwelligen Nothilfe hin zu planvollen, strukturierten und langfristig orientierten Integrationsmaßnahmen sowie zum anderen eine religionsvergleichende Perspektive auf den möglichen Beitrag unterschiedlicher religiöser Migrant*innengemeinden zur nachhaltigen Unterstützung geflüchteter Menschen in Deutschland. Zugleich waren gesellschaftspolitische Debatten über Migrant*innenselbstorganisationen lange durch skeptische Wertbezüge und Sprachbilder geprägt; ein verbreitetes Bild in der öffentlichen Diskussion ist das der sogenannten „Parallelgesellschaft“. Konträr zu dieser defizitorientierten Perspektive hat sich in den vergangenen Jahren ein potentialorientierter Ansatz etabliert. Exemplarisch dafür greift der Beitrag quantitative Erkenntnisse zu den religiösen Hintergründen der Flüchtlingshilfe auf und rückt dabei vor allem zugewanderte religiöse Minderheiten in den Blick.