Die Ähnlichkeiten zwischen Transhumanismus und Transzendenz erschöpfen sich nicht nur in dem geteilten Präfix, welcher auf ein gemeinsames Überschreitungsmoment hinweist, sondern offenbaren bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl gleicher Motive, Sinnlogiken und Strukturmomente. Religiöse und technologische Transzendierungsutopien scheinen verwandte Antworten auf die gleichen existenziellen Fragen menschlichen Daseins zu geben, wobei ihre orientierungs- und sinnstiftenden Deutungssysteme durch Kontingenzbewältigung ähnlich entlastend wirken. In diesem Aufsatz sollen zunächst die Parallelitäten szientistisch-transhumanistischer und religiöser Kontingenzbewältigung nachgezeichnet und exploriert werden (1), um in einem zweiten Schritt die innerweltlichen Transzendenzbestrebungen des Transhumanismus zu konkretisieren (2). Durch die Kontrastierung mit Enhancement-kritischen Positionen, welche die radikalen technologischen Interventionen des Transhumanismus problematisieren, wird im Anschluss daran jedoch ein anderes Verständnis von Kontingenz und insbesondere leiblicher Unverfügbarkeit vorgestellt (3), welches durchaus positive Bezüge zu einem vermeintlich passiveren religiösen Menschenbild der Vormoderne auch für eine säkulare Gegenwart herzustellen vermag (4).

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Vom (Un-)Heil der Kontingenz. Parallelitäten und Brüche transhumanistischer und religiöser Kontingenzbewältigung

  • Nikolai Münch,
  • Justus Pötzsch

摘要

Die Ähnlichkeiten zwischen Transhumanismus und Transzendenz erschöpfen sich nicht nur in dem geteilten Präfix, welcher auf ein gemeinsames Überschreitungsmoment hinweist, sondern offenbaren bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl gleicher Motive, Sinnlogiken und Strukturmomente. Religiöse und technologische Transzendierungsutopien scheinen verwandte Antworten auf die gleichen existenziellen Fragen menschlichen Daseins zu geben, wobei ihre orientierungs- und sinnstiftenden Deutungssysteme durch Kontingenzbewältigung ähnlich entlastend wirken. In diesem Aufsatz sollen zunächst die Parallelitäten szientistisch-transhumanistischer und religiöser Kontingenzbewältigung nachgezeichnet und exploriert werden (1), um in einem zweiten Schritt die innerweltlichen Transzendenzbestrebungen des Transhumanismus zu konkretisieren (2). Durch die Kontrastierung mit Enhancement-kritischen Positionen, welche die radikalen technologischen Interventionen des Transhumanismus problematisieren, wird im Anschluss daran jedoch ein anderes Verständnis von Kontingenz und insbesondere leiblicher Unverfügbarkeit vorgestellt (3), welches durchaus positive Bezüge zu einem vermeintlich passiveren religiösen Menschenbild der Vormoderne auch für eine säkulare Gegenwart herzustellen vermag (4).