Im Sommer 1963 sieht sich David McClelland (1917–1998), Professor für Psychologie an der Universität von Harvard und amtierender Direktor des Center for Research in Personality, gezwungen, zwei seiner engsten Mitarbeiter zu kündigen – da deren Zusammenarbeit in psychedelischen Forschungsprojekten zum öffentlichen Skandal geworden war (Vgl. Weil 1963). Diese Kündigung bildet den Auftakt für drei Lebenswege, die im Rückblick eine auffallende Gemeinsamkeit teilen: Sowohl David McClelland, als auch seine entlassenen Mitarbeiter Timothy Leary (1920–1996) und Richard Alpert (1931–2019), werden ab Mitte der 1960er-Jahre zu Protagonisten dreier so unterschiedlicher wie erfolgreicher Projekte, welche die Idee des Heils unter den Bedingungen des 20. Jahrhunderts neu formulieren und sich mit den Schlagworten Kompetenzorientierung, Bewusstseinserweiterung und Achtsamkeit zusammenfassen lassen. Der Artikel analysiert ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede und gibt Einblick in den Erfolg von säkularisierten Kulturen der Erlösung, die sich als je eigene Bewältigungsversuche der fortschreitenden Widersprüche der Moderne zu erkennen geben.

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Heilsversprechen aus Harvard. Kompetenz, Psychedelik und Achtsamkeit – Erlösungserzählungen der Moderne

  • Florian Heßdörfer

摘要

Im Sommer 1963 sieht sich David McClelland (1917–1998), Professor für Psychologie an der Universität von Harvard und amtierender Direktor des Center for Research in Personality, gezwungen, zwei seiner engsten Mitarbeiter zu kündigen – da deren Zusammenarbeit in psychedelischen Forschungsprojekten zum öffentlichen Skandal geworden war (Vgl. Weil 1963). Diese Kündigung bildet den Auftakt für drei Lebenswege, die im Rückblick eine auffallende Gemeinsamkeit teilen: Sowohl David McClelland, als auch seine entlassenen Mitarbeiter Timothy Leary (1920–1996) und Richard Alpert (1931–2019), werden ab Mitte der 1960er-Jahre zu Protagonisten dreier so unterschiedlicher wie erfolgreicher Projekte, welche die Idee des Heils unter den Bedingungen des 20. Jahrhunderts neu formulieren und sich mit den Schlagworten Kompetenzorientierung, Bewusstseinserweiterung und Achtsamkeit zusammenfassen lassen. Der Artikel analysiert ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede und gibt Einblick in den Erfolg von säkularisierten Kulturen der Erlösung, die sich als je eigene Bewältigungsversuche der fortschreitenden Widersprüche der Moderne zu erkennen geben.