True Crime: Vom Spuren lesen und Geschichte(n) schreiben. Eine Produktanalyse der Serie Manhunt: Unabomber (USA 2017)
摘要
Der Artikel konzentriert sich auf zwei Fragen: (1.) Wie das Verhältnis zwischen Dokumentation und Fiktion in den Medien bestimmt werden kann und (2.) wie soziale Realität in den Medien erzählt werden kann. Die fiktionale True Crime Serie Manhunt: Unabomber (USA 2017, R: G. Yaitanes), die den analytischen Ausgangspunkt dieses Artikels bildet, scheint ebenfalls beide Fragen zu stellen. Denn die Serie erzählt nicht nur von der Suche nach Beweisen für die Täterschaft des so genannten Unabombers Ted Kaczynski, sondern sie fragt auch nach der Bedeutung und dem narrativen Wert von Beweisbarkeit. Diese Doppelung begünstigt den reflexiven Charakter der Serie. Und je mehr sich in dieser Staffel alles um die Beweisbarkeit des so genannten Unabombers als Serienmörder dreht, desto deutlicher wird: Nicht die ‚Beweisbarkeit‘ ist das Ziel, sondern der Umgang mit der ‚Nicht-Beweisbarkeit‘. Sich auf die Seite der ‚Nicht-Beweisbarkeit‘ zu stellen, bedeutet jedoch nicht, dass es den Unterschied zwischen Fakt und Fiktion nicht gäbe – ganz im Gegenteil. Es macht lediglich deutlich, dass die Bestimmung des Unterschieds nicht im filmischen Produkt stattfinden kann, sondern eine Anforderung an das Publikum darstellt – gerade in der postdigitalen Gegenwart.