Das Projekt „ZuRecht – Die Polizei in der offenen Gesellschaft“ (Hierbei handelt es sich um ein Verbundprojekt mit versch. Forschungsschwerpunkten zwischen dem Centre for Security and Society, der DHPol und dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht. Die DHPol befasste sich u. a. mit der Evaluation ‚interkultureller‘ Trainings. Das Projekt wurde von der Stiftung Mercator gefördert. Für weitere Informationen siehe: Weber 2023a, Weber 2023b, 2025 sowie: https://www.projekt-zurecht.de .) erforschte im Zeitraum von 2019 bis Mai 2023 in einem Methodenmix (Hier sind Expert:inneninterviews (45 mit ‚IK‘-Trainer:innen und Verantwortlichen (35 davon durften für die Analyse verwendet werden) und sechs Interviews mit Teilnehmer:innen von Trainings), Inhaltsanalysen (Konzepte, Modulhandbücher, Lehrpläne u. a. von untersch. Bildungseinrichtungen von Bund und Ländern), teilnehmende Beobachtungen von ‚IK‘-Lehrveranstaltungen und eine Fragebogenerhebung in drei Wellen (vor, nach dem Seminar und nach 3–6 Monaten) bei Teilnehmer:innen von diesen Lehrmaßnahmen zum Einsatz gekommen. Vier Bildungseinrichtungen (zwei norddeutsche, jeweils eine mittel- und eine westdeutsche) haben einer teilnehmenden Beobachtung zugestimmt. Zwei norddeutsche und eine mitteldeutsche Bildungseinrichtung haben die Evaluation durch die Teilnahme an einer Fragebogenerhebung unterstützt.) die Umsetzung von ‚Interkulturellen Kompetenztrainings‘ (‚Interkulturelle Kompetenz‘ wird von den Polizeien als Arbeitsbegriff verwendet.) (‚IK‘) in den Polizeien. Es sind Expert:innen (Bei den befragten Expert:innen handelt es sich sowohl um ehemalige Polizist:innen, die auf eine unterschiedlich lange Berufserfahrung zurückblicken als auch um Personen, deren berufliche Hintergründe unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zuzuordnen sind, u. a. Psychologie, Kriminologie und Soziologie. Die Expert:innen sind sowohl in der polizeilichen Aus- als auch in der Fortbildung tätig.) (‚IK‘-Trainer:innen und für -Verantwortliche) und Teilnehmer:innen von ‚IK‘-Seminaren zu unterschiedlichen Aspekten von ‚IK‘ in Interviews (Die Interviewaussagen wurden in Ober- und Unterkategorien zusammengefasst: ‚IK‘-Wissen, ‚IK‘-Geschichte, Seminare, Gruppenstrukturen, Fehlerkultur, Berufswunsch, Verbesserungswünsche, Bedarf und Zukunft bilden neun Oberkategorien, denen 151 Unterkategorien zugeordnet wurden, darunter die Rolle von Erfahrungswissen, negative und positive Aspekte von Erfahrungswissen sowie Widerstände gegen das Thema ‚IK’, Stereotype und Vorurteile.) befragt worden, darunter u. a. zur Geschichte des Ein- und Ausbaus von ‚IK‘ in der Aus- und Fortbildung, des Stellenwertes von ‚IK‘ sowie auch zur Rolle von Erfahrungswissen. Die Ergebnisse dieses Artikels basieren auf den Aussagen der Expert:innen zum Themenfeld des Erfahrungswissens. Erfahrungswissen wird innerhalb dieses Beitrags als ein Wissen verstanden, dass sich (mitunter unkritisch und unhinterfragt) durch den Beruf und das sog. ‚Polizist:in-Sein‘, durch Erlebnisse und Erfahrungen bei und in Dienstsituationen, sowie im Umgang mit diversen anderen Menschen im Berufsalltag beschreiben lässt. Es handelt sich dabei um von Polizist:innen erlebte Berufserfahrung. Als ein Ergebnis der Forschung des Projektes „ZuRecht“ zeigt sich die Identifikation eines ambivalenten Erfahrungswissens innerhalb der Polizeien, auf das dieser Artikel auf Basis von Expert:inneninterviews seinen Fokus richtet. Diese Ambivalenz bezieht sich auf folgende zwei Seiten dieses Wissens: eine positive; wenn Erfahrungswissen gewinnbringende Effekte hat, wie z. B. Handlungssicherheit in einem komplexen Berufsalltag. Erfahrungswissen ist für den Polizeiberuf unerlässlich, beinhaltet aber auch eine Schattenseite, wenn z. B. Stereotype und Vorurteile weitergegeben werden und daraus bei fehlender Intervention polizeiliches Fehlverhalten entsteht. In diesem Beitrag geben wir Ausblick auf eine Sammlung von Aussagen zum Themenfeld ‚IK‘ und Erfahrungswissen, nähern uns von allgemeinen Aussagen darüber an und führen über in die Bedeutung der festgestellten Ambivalenz für die Polizeien, sowie derzeit stattfindender Gegenstrategien.

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„Als jüngerer Kollege ist man geneigt dazu, alles aufzusaugen, was einem erzählt wird“ – Die Ambivalenz von polizeilichem Erfahrungswissen

  • Kristin Weber,
  • Stefan Jarolimek

摘要

Das Projekt „ZuRecht – Die Polizei in der offenen Gesellschaft“ (Hierbei handelt es sich um ein Verbundprojekt mit versch. Forschungsschwerpunkten zwischen dem Centre for Security and Society, der DHPol und dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht. Die DHPol befasste sich u. a. mit der Evaluation ‚interkultureller‘ Trainings. Das Projekt wurde von der Stiftung Mercator gefördert. Für weitere Informationen siehe: Weber 2023a, Weber 2023b, 2025 sowie: https://www.projekt-zurecht.de .) erforschte im Zeitraum von 2019 bis Mai 2023 in einem Methodenmix (Hier sind Expert:inneninterviews (45 mit ‚IK‘-Trainer:innen und Verantwortlichen (35 davon durften für die Analyse verwendet werden) und sechs Interviews mit Teilnehmer:innen von Trainings), Inhaltsanalysen (Konzepte, Modulhandbücher, Lehrpläne u. a. von untersch. Bildungseinrichtungen von Bund und Ländern), teilnehmende Beobachtungen von ‚IK‘-Lehrveranstaltungen und eine Fragebogenerhebung in drei Wellen (vor, nach dem Seminar und nach 3–6 Monaten) bei Teilnehmer:innen von diesen Lehrmaßnahmen zum Einsatz gekommen. Vier Bildungseinrichtungen (zwei norddeutsche, jeweils eine mittel- und eine westdeutsche) haben einer teilnehmenden Beobachtung zugestimmt. Zwei norddeutsche und eine mitteldeutsche Bildungseinrichtung haben die Evaluation durch die Teilnahme an einer Fragebogenerhebung unterstützt.) die Umsetzung von ‚Interkulturellen Kompetenztrainings‘ (‚Interkulturelle Kompetenz‘ wird von den Polizeien als Arbeitsbegriff verwendet.) (‚IK‘) in den Polizeien. Es sind Expert:innen (Bei den befragten Expert:innen handelt es sich sowohl um ehemalige Polizist:innen, die auf eine unterschiedlich lange Berufserfahrung zurückblicken als auch um Personen, deren berufliche Hintergründe unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zuzuordnen sind, u. a. Psychologie, Kriminologie und Soziologie. Die Expert:innen sind sowohl in der polizeilichen Aus- als auch in der Fortbildung tätig.) (‚IK‘-Trainer:innen und für -Verantwortliche) und Teilnehmer:innen von ‚IK‘-Seminaren zu unterschiedlichen Aspekten von ‚IK‘ in Interviews (Die Interviewaussagen wurden in Ober- und Unterkategorien zusammengefasst: ‚IK‘-Wissen, ‚IK‘-Geschichte, Seminare, Gruppenstrukturen, Fehlerkultur, Berufswunsch, Verbesserungswünsche, Bedarf und Zukunft bilden neun Oberkategorien, denen 151 Unterkategorien zugeordnet wurden, darunter die Rolle von Erfahrungswissen, negative und positive Aspekte von Erfahrungswissen sowie Widerstände gegen das Thema ‚IK’, Stereotype und Vorurteile.) befragt worden, darunter u. a. zur Geschichte des Ein- und Ausbaus von ‚IK‘ in der Aus- und Fortbildung, des Stellenwertes von ‚IK‘ sowie auch zur Rolle von Erfahrungswissen. Die Ergebnisse dieses Artikels basieren auf den Aussagen der Expert:innen zum Themenfeld des Erfahrungswissens. Erfahrungswissen wird innerhalb dieses Beitrags als ein Wissen verstanden, dass sich (mitunter unkritisch und unhinterfragt) durch den Beruf und das sog. ‚Polizist:in-Sein‘, durch Erlebnisse und Erfahrungen bei und in Dienstsituationen, sowie im Umgang mit diversen anderen Menschen im Berufsalltag beschreiben lässt. Es handelt sich dabei um von Polizist:innen erlebte Berufserfahrung. Als ein Ergebnis der Forschung des Projektes „ZuRecht“ zeigt sich die Identifikation eines ambivalenten Erfahrungswissens innerhalb der Polizeien, auf das dieser Artikel auf Basis von Expert:inneninterviews seinen Fokus richtet. Diese Ambivalenz bezieht sich auf folgende zwei Seiten dieses Wissens: eine positive; wenn Erfahrungswissen gewinnbringende Effekte hat, wie z. B. Handlungssicherheit in einem komplexen Berufsalltag. Erfahrungswissen ist für den Polizeiberuf unerlässlich, beinhaltet aber auch eine Schattenseite, wenn z. B. Stereotype und Vorurteile weitergegeben werden und daraus bei fehlender Intervention polizeiliches Fehlverhalten entsteht. In diesem Beitrag geben wir Ausblick auf eine Sammlung von Aussagen zum Themenfeld ‚IK‘ und Erfahrungswissen, nähern uns von allgemeinen Aussagen darüber an und führen über in die Bedeutung der festgestellten Ambivalenz für die Polizeien, sowie derzeit stattfindender Gegenstrategien.