Aktienresearch und Künstliche Intelligenz: Eine kritische Analyse
摘要
Es stellt sich die Frage, ob generative KI als Ergänzung zum traditionellen Aktienresearch oder der Unternehmensbewertung zum Einsatz kommen oder diese Disziplinen im Extremfall sogar ersetzen könnte. Gerade das Aktienresearch hat sich in den vergangenen 30 Jahren substanziell verändert. Befürchtungen, Computer könnten die Arbeit von Finanzanalystinnen und -analysten übernehmen, wurden bereits bei früheren strukturellen Veränderungen und neuen Technologien wie Textverarbeitung, E-Mail, der elektronischen Archivierung und automatischen Dokumentenverarbeitung geäußert. Doch jedes Mal hat das, was als Bedrohung für den Berufsstand angesehen wurde, den Arbeitsalltag der Aktienanalystinnen und -analysten zwar effizienter, nicht aber obsolet gemacht. Auch dieses Mal ergibt sich zunächst eine Chance mit Blick auf die berüchtigten Arbeitszeiten des Investmentbankings, die im Zeitalter der Work-Life-Balance eine aus der Zeit gefallene Stresstoleranz einfordern. Doch wie steht es um die Vielfältigkeit der Charaktereigenschaften, die Finanzanalystinnen und -analysten heutzutage mit sich bringen müssen – und den Berufsstand für Außenstehende elitär erscheinen lassen? Wie steht es um die oft multidisziplinären Ausbildungen – etwa die Ausbildungsangebote des CFA Institute (2023) oder der DVFA (2023) und langjährigen Erfahrungen, die aus Berufsanfängerinnen oder -anfängern erst Senior Analystinnen oder Senior Analysten machen? Könnten diese dazu beitragen, dass der Berufsstand möglicherweise immun gegenüber Eindringlingen aus neuen Technologien ist?