Multiprofessionelle Kooperation im Umgang mit Schulabsentismus: Unterschiedliche Perspektiven der Schulgemeinschaft
摘要
Schulen sind gesellschaftliche Institutionen, die einen Bildungsauftrag zu erfüllen haben und an definierte rechtliche sowie administrative Rahmenbedingungen gebunden sind. Gleichzeitig ist die Einzelschule ein Gebäude, ein Ort des Lernens und für eine bedeutsame Zeitspanne in Kindheit und Jugend auch ein Lebensraum mit bestimmten Merkmalen (van Ackeren et al., 2015). Als Institution und als Einzelschule hat Schule neben einer Qualifikationsfunktion in Bezug auf Anforderungen in Beruf, Privatleben und Gesellschaft auch eine Sozialisationsfunktion (Fend, 2015; Piezunka et al., 2017; Tippelt, 2013). Der schulische Rahmen bietet Gelegenheit, Verhalten zu erproben und Sanktionen zu erleben, die bspw. auf das Übertreten von Normen folgen und verdeutlichen, dass diese gültig sind und ihre Beachtung erwartet wird. Ein Beispiel dafür ist die Verletzung der Schulpflicht, meist Schulabsentismus genannt. Eine Erweiterungsstudie zu PISA 2012 hat gezeigt, dass die aktive Verstärkung der Norm ‚Schulpflicht‘ seitens der Schule eine entscheidende Rolle dafür spielen kann, ob Schülerinnen und Schüler sich dafür entscheiden, dem Unterricht unerlaubt fernzubleiben oder nicht (Saelzer & Lenski, 2016): Erlebten die Schülerinnen und Schüler ihre Schule als aktiv in Bezug auf den Umgang mit Schulpflichtverletzungen, war die Häufigkeit von Absenzen im Mittel signifikant geringer, als wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Schule diesbezüglich als passiv wahrnahmen. Darüber hinaus liegen Befunde vor, die darauf hindeuten, dass nicht die Lehrkräfte allein dafür sorgen sollten, dass die Schule als aktiv gegen Schulabsentismus wahrgenommen wird. Für die Kinder und Jugendlichen ist oftmals entscheidend, dass sich jemand des Themas annimmt, der ihnen nicht auch Noten für schulische Leistungen gibt, etwa Personal in der Schulsozialarbeit oder der Schulpsychologie (Sälzer, 2010).