In Schleswig-Holstein existierte über viele Jahrzehnte ein Parteiensystem mit einer Zweiparteiendominanz. SPD und CDU vertraten jeweils prononcierte Positionen auf der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Wettbewerbsdimension. Nach vielen Jahren einer elektoralen Asymmetrie zugunsten der CDU standen sich beide Parteien seit den 1990er-Jahren in einer offenen Wettbewerbssituation gegenüber. Wahlsiege fielen knapp aus, waren häufig überraschend und stärker als in anderen Bundesländern beeinflusst durch situative Einflüsse und Kandidateneffekte. Mit der Wahl 2009 kam es zu einer nachhaltigen elektoralen Stärkung der kleineren Parteien und damit einhergehend zu einer Veränderung des Parteiensystems hin zu einem pluralistischen System. Gleichzeitig blieb die offene Wettbewerbssituation zwischen CDU und SPD bestehen. Diese Konstellation resultierte in regelmäßigen Regierungswechseln und führte zur Ausbildung neuartiger Koalitionsformate. Letzteres wurde insbesondere durch eine koalitionspolitische Öffnung der Grünen und durch eine programmatische Repositionierung der CDU hin zur Mitte unterstützt. Mit dem deutlichen Wahlsieg der CDU bei der Landtagswahl im Jahr 2022 endete vorerst die offene Wettbewerbssituation. Ob diese Landtagswahl eine neue, längerfristige Phase des Parteiensystems unter dem Vorzeichen einer erneuten CDU-Dominanz einläutete, ist angesichts der spezifischen politischen und gesellschaftlichen Konstellation im Jahr 2022, der gestiegenen Volatilität im schleswig-holsteinischen Parteiensystem und der großen Bedeutung der personalen Komponente für den Wahlausgang noch nicht abschließend beurteilbar.

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Schleswig-Holstein: Von einem pluralistischen Parteiensystem zurück zur CDU-Dominanz?

  • Sandra Brunsbach,
  • Wilhelm Knelangen

摘要

In Schleswig-Holstein existierte über viele Jahrzehnte ein Parteiensystem mit einer Zweiparteiendominanz. SPD und CDU vertraten jeweils prononcierte Positionen auf der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Wettbewerbsdimension. Nach vielen Jahren einer elektoralen Asymmetrie zugunsten der CDU standen sich beide Parteien seit den 1990er-Jahren in einer offenen Wettbewerbssituation gegenüber. Wahlsiege fielen knapp aus, waren häufig überraschend und stärker als in anderen Bundesländern beeinflusst durch situative Einflüsse und Kandidateneffekte. Mit der Wahl 2009 kam es zu einer nachhaltigen elektoralen Stärkung der kleineren Parteien und damit einhergehend zu einer Veränderung des Parteiensystems hin zu einem pluralistischen System. Gleichzeitig blieb die offene Wettbewerbssituation zwischen CDU und SPD bestehen. Diese Konstellation resultierte in regelmäßigen Regierungswechseln und führte zur Ausbildung neuartiger Koalitionsformate. Letzteres wurde insbesondere durch eine koalitionspolitische Öffnung der Grünen und durch eine programmatische Repositionierung der CDU hin zur Mitte unterstützt. Mit dem deutlichen Wahlsieg der CDU bei der Landtagswahl im Jahr 2022 endete vorerst die offene Wettbewerbssituation. Ob diese Landtagswahl eine neue, längerfristige Phase des Parteiensystems unter dem Vorzeichen einer erneuten CDU-Dominanz einläutete, ist angesichts der spezifischen politischen und gesellschaftlichen Konstellation im Jahr 2022, der gestiegenen Volatilität im schleswig-holsteinischen Parteiensystem und der großen Bedeutung der personalen Komponente für den Wahlausgang noch nicht abschließend beurteilbar.