Der historische Befund einer „verzögerten Normalisierung“ (Günther Trittel) des niedersächsischen Parteiensystems gilt bis heute. Dauerte es in Niedersachsen zunächst länger als anderswo, bis die sozioökonomische Konfliktlinie den Parteienwettbewerb dominierte, so verzögert sich heute der Bedeutungszuwachs der transnationalen Konfliktlinie. Als Folge dieser verzögerten Entwicklung kann das niedersächsische Parteiensystem als das letzte angesehen werden, das dem der alten Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung ähnelt, insbesondere im Hinblick auf die Dominanz der beiden Volksparteien SPD und CDU. Diese drückt sich vor allem in der Kontinuität von Zweiparteien-Lagerkoalitionen aus SPD und Grünen bzw. CDU und FDP aus. Es ist vor allem die relative Stärker der Grünen gegenüber der FDP, die ihrem Lager-Koalitionspartner SPD die Dominanz im niedersächsischen Parteiensystem sichert. Die Stärke der Grünen sowie der AfD und das generationelle Wahlverhalten weisen darauf hin, dass auch in Niedersachsen die nächste Normalisierung vor der Tür stehen dürfte. Angesichts des Erstarkens der transnationalen Konfliktlinie ist eine weitere Fragmentierung des niedersächsischen Parteiensystems wahrscheinlich, die hergebrachte Koalitionsmuster aufbrechen dürfte.

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Das letzte Parteiensystem der alten Bundesrepublik. Niedersachsen als Nachzügler

  • Michael Koß

摘要

Der historische Befund einer „verzögerten Normalisierung“ (Günther Trittel) des niedersächsischen Parteiensystems gilt bis heute. Dauerte es in Niedersachsen zunächst länger als anderswo, bis die sozioökonomische Konfliktlinie den Parteienwettbewerb dominierte, so verzögert sich heute der Bedeutungszuwachs der transnationalen Konfliktlinie. Als Folge dieser verzögerten Entwicklung kann das niedersächsische Parteiensystem als das letzte angesehen werden, das dem der alten Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung ähnelt, insbesondere im Hinblick auf die Dominanz der beiden Volksparteien SPD und CDU. Diese drückt sich vor allem in der Kontinuität von Zweiparteien-Lagerkoalitionen aus SPD und Grünen bzw. CDU und FDP aus. Es ist vor allem die relative Stärker der Grünen gegenüber der FDP, die ihrem Lager-Koalitionspartner SPD die Dominanz im niedersächsischen Parteiensystem sichert. Die Stärke der Grünen sowie der AfD und das generationelle Wahlverhalten weisen darauf hin, dass auch in Niedersachsen die nächste Normalisierung vor der Tür stehen dürfte. Angesichts des Erstarkens der transnationalen Konfliktlinie ist eine weitere Fragmentierung des niedersächsischen Parteiensystems wahrscheinlich, die hergebrachte Koalitionsmuster aufbrechen dürfte.