Parteiensystem im Bundesland Bremen – ein Unikat unter den Bundesländern
摘要
Das Bremer Parteiensystems sticht insbesondere durch die jahrzehntelange Vormachtstellung der SPD als Alleinstellungsmerkmal unter den Bundesländern ins Auge. Sie hat über viele Jahrzehnte hinweg diese Vormachtstellung nicht nur bei fast allen Bürgerschaftswahlen, sondern auch bei allen anderen Wahlen in Bremen behauptet und die Interaktionsbeziehungen zwischen den Parteien bestimmt. Sie verdankt ihre Mehrheitsfähigkeit einerseits der sozialstrukturellen Entwicklung des großstädtischen Mini-Elektorats, andererseits prägenden Politikern an ihrer Spitze. Ihre hegemoniale Stellung hat sie jedoch seit den 1990er Jahren eingebüßt. Die CDU, deren klassische Wählergruppen in Bremen unterrepräsentiert sind, erreicht seit Langem nur noch Wahlergebnisse unter 30 %, konnte aber mit 26,7 % dennoch 2019 zum ersten Mal stärkste Partei vor der SPD werden. Die FDP, die in den ersten Jahrzehnten eine tragende Rolle beim Wiederaufbau des Bundeslandes spielte, hat seit den 1990er Jahren nie wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden. An ihre Stelle sind die Grünen getreten, die im Laufe von 40 Jahren zu einer Mittelpartei mit Wahlergebnissen über 15 % geworden sind, jedoch bei der Bürgerschaftswahl 2023 auf nur noch 11,9 % absackten. Die Linkspartei in Bremen hat nach ihrem Überraschungserfolg bei der Bürgerschaftswahl 2007 zwei Legislaturperioden gebraucht, um ihre Rolle als konstruktive Oppositionspartei zu finden und 2019 sowie 2023 zur Regierungspartei in einem linken Bündnis zu werden. Bremen war und ist gleichzeitig ein Revier für rechtskonservative, rechte und rechtsextreme Parteien, die hier in den 1950er Jahren, Ende der 1960er Jahre, seit Ende der 1980er Jahre und seit 2007 immer wieder überdurchschnittlich gute Wahlergebnisse erzielen konnten.