Auf seine Märtyrer hält sich das Christentum seit urkirchlichen Zeiten einiges zugute. Ein Märtyrer (μάρτυς) ist dem Wortsinn nach jemand, der Zeugnis (μαρτύριον) ablegt für etwas, also zunächst etwas Triviales tut; näher aber legt er – im christlichen Sinne – Zeugnis ab für seine Weltanschauung, seinen Glauben, das von ihm für gut und wichtige Gehaltene. Und er tut dies mit seinem höchsten Einsatz: seinem Leben. Er ist bereit, für seine Weltanschauung zu sterben, er ist ein Blutzeuge. Wenn dies mehr bedeuten soll, als daß es ihm ernst ist mit seinem Glauben (welchem auch immer), wenn nämlich diese Art des Zeugnisses ein besonderes Argument und Qualitätsmerkmal zugunsten des christlichen Glaubens darstellen soll, dann müßte das Martyrium eine christliche Spezialität sein. Käme es hingegen bei beliebigen Weltanschauungen vor (schließlich haben auch Moslems ihre Märtyrer), dann würde das nicht mehr besagen, als daß die Betreffenden einen starken Glauben haben; es wäre eher ein Ernsthaftigkeits- als ein Wahrheitszeugnis. Von Fällen, in denen Tyrannenmörder anschließend zu Tode kamen (etwa Harmodios und Aristogeiton in Athen), so sehr sie als Freiheitshelden gefeiert worden sein mögen, sehe ich ab.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Märtyrer – eine christliche Besonderheit?

  • Wolfgang Weimer

摘要

Auf seine Märtyrer hält sich das Christentum seit urkirchlichen Zeiten einiges zugute. Ein Märtyrer (μάρτυς) ist dem Wortsinn nach jemand, der Zeugnis (μαρτύριον) ablegt für etwas, also zunächst etwas Triviales tut; näher aber legt er – im christlichen Sinne – Zeugnis ab für seine Weltanschauung, seinen Glauben, das von ihm für gut und wichtige Gehaltene. Und er tut dies mit seinem höchsten Einsatz: seinem Leben. Er ist bereit, für seine Weltanschauung zu sterben, er ist ein Blutzeuge. Wenn dies mehr bedeuten soll, als daß es ihm ernst ist mit seinem Glauben (welchem auch immer), wenn nämlich diese Art des Zeugnisses ein besonderes Argument und Qualitätsmerkmal zugunsten des christlichen Glaubens darstellen soll, dann müßte das Martyrium eine christliche Spezialität sein. Käme es hingegen bei beliebigen Weltanschauungen vor (schließlich haben auch Moslems ihre Märtyrer), dann würde das nicht mehr besagen, als daß die Betreffenden einen starken Glauben haben; es wäre eher ein Ernsthaftigkeits- als ein Wahrheitszeugnis. Von Fällen, in denen Tyrannenmörder anschließend zu Tode kamen (etwa Harmodios und Aristogeiton in Athen), so sehr sie als Freiheitshelden gefeiert worden sein mögen, sehe ich ab.