Der aus dem Altgriechischen (kritiké [techné]) stammende Begriff ‚Kritik‘, der als „[Kunst der] Beurteilung“ übersetzt werden kann, bezeichnet schon bei Platon und Aristoteles „das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft“ (Mittelstraß 2004, S. 498). Diese Kunstfertigkeit (gr. techné) der Unterscheidung dient in der Sokratischen Mäeutik (‚Hebammenkunst‘) der Unterscheidung zwischen Wahrem und Falschem, Kritik kann daher auch als Methode der Überprüfung von Wahrheitsansprüchen oder als Nachweis falscher Argumente bestimmt werden. In der Neuzeit postuliert Kant, dass sich „systematisches Denken (esprit philosophique) als kritisches Denken (esprit critique) bewähren muß“ (Mittelstraß 2004, S. 498), wobei Kant als Paradigma eines solchen kritischen Denkens nicht die Aufdeckung von Fehlern, sondern eine Kritik der reinen Vernunft als „Propädeutik“ zu einem „System der reinen Vernunft“ versteht, die „nicht zur Erweiterung, sondern nur zur Läuterung unserer Vernunft“ (Kant 1959 [1781], B 24) zu dienen hat.

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(Selbst)Kritik – eine Standortbestimmung

  • Olaf Kühne,
  • Karsten Berr,
  • Dennis Edler,
  • Petra Lohmann,
  • Kai Schuster

摘要

Der aus dem Altgriechischen (kritiké [techné]) stammende Begriff ‚Kritik‘, der als „[Kunst der] Beurteilung“ übersetzt werden kann, bezeichnet schon bei Platon und Aristoteles „das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft“ (Mittelstraß 2004, S. 498). Diese Kunstfertigkeit (gr. techné) der Unterscheidung dient in der Sokratischen Mäeutik (‚Hebammenkunst‘) der Unterscheidung zwischen Wahrem und Falschem, Kritik kann daher auch als Methode der Überprüfung von Wahrheitsansprüchen oder als Nachweis falscher Argumente bestimmt werden. In der Neuzeit postuliert Kant, dass sich „systematisches Denken (esprit philosophique) als kritisches Denken (esprit critique) bewähren muß“ (Mittelstraß 2004, S. 498), wobei Kant als Paradigma eines solchen kritischen Denkens nicht die Aufdeckung von Fehlern, sondern eine Kritik der reinen Vernunft als „Propädeutik“ zu einem „System der reinen Vernunft“ versteht, die „nicht zur Erweiterung, sondern nur zur Läuterung unserer Vernunft“ (Kant 1959 [1781], B 24) zu dienen hat.