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Die ludische Differenz und das Spiel

  • Daniel Henzgen,
  • Dominik Meier

摘要

Nachdem im ersten Kapitel das Wesen des Gewinnspiels entlang seiner historischen Manifestationen beschrieben und im zweiten Kapitel seine geschichtsübergreifende Anziehungskraft analysiert wurde, soll es im letzten Kapitel um die großen gesellschaftlichen, philosophischen und ideologischen Deutungskämpfe um das Spielen mit dem Zufall gehen. Zwei Fragen stehen im Fokus. Erstens: Welche Bedeutung hat das Gewinnspiel im Kontext der einflussreichen Lebensführungs‐ und Glückskonzepte der Menschheit – von der teleologischen Tugendethik über den aufgeklärten Rationalismus bis hin zum Marxismus und zur Psychotherapie? Und zweitens: Wie verändert sich im Durchgang der Epochen die Konfiguration der Leitprinzipien von Zufall, Schicksal und Chaos – und mit ihr die gesellschaftspolitische Strukturierung von Spielordnung und Spielsystematik? Aus den Antworten, die gleichsam Aufschluss über die Genese und argumentationsstrategische Fundierung aktueller Regulierungs‑, Verbots‐ und Präventionsdebatten geben, lässt sich eine neue, geschärfte Perspektive auf das zentrale Phänomen des Gewinnspiels ableiten: die ludische Differenz, die sich durch die Spannung zwischen dem Spiel als geregelter, egalitärer Ausnahmesituation und der Gesellschaft als soziopolitischem, hierarchischem Ordnungsrahmen ergibt. Diese ludische Differenz anhand ihrer drei Dimensionen – anthropologisch, politisch und denksystematisch – zu entschlüsseln, bildet die zentrale Grundlage, um die Narrative, Rechtfertigungsdiskurse und Umsetzungspraktiken von Spielordnungen in ihrer Vielfalt zu beschreiben und die Faszination Zufall zu verstehen.