Experimentieren mit digitalisierten Arbeitsverhältnissen: Plattformvermittelte Haushaltsarbeit am Beispiel von Essenslieferdiensten
摘要
Die Pandemie-bedingten Lockdowns und individuellen Quarantänephasen haben seit Frühjahr 2020 zu einem starken Anstieg von Arbeitsplattformen für Essensschnelllieferungen geführt. Anhand des Vergleichs von drei in Graz (AT) seit 2016 aktiven Plattformen – davon eine nur lokal agierend und eigentümergeführt –, thematisiert der Beitrag die Steuerung und Kontrolle des Liefervorgangs, aber auch der Arbeit in Restaurantküchen sowie die Frage, wer warum diese Dienste verstärkt nachfragt. Daran gekoppelt ist eine Rückbindung der Plattformisierung von Haushaltsarbeiten an Überlegungen zur gesunden, sozial nachhaltigen und gerechten Organisation von Arbeit. Von praktischer Relevanz ist der konkrete Vergleich der drei Plattformlieferdienste mit Blick auf die Arbeitsverhältnisse und -bedingungen der Lieferant:innen und Restaurants, die Art der Auftragsvergabe, die Höhe der Entlohnung und über die Möglichkeiten zur gewerkschaftlichen Vertretung. Dadurch können Vor- und Nachteile verschiedener Beschäftigungsformen deutlich gemacht werden. Darüber hinaus wird argumentiert, dass Plattformarbeitsverhältnisse nicht nur entlang von Arbeitsfragen diskutiert werden dürfen, sondern in Verbindung mit sozial- und migrationspolitischen Maßnahmen sowie den daraus hervorgehenden individuellen Lebensumständen.