Trauma ist die normale Reaktion auf ein nicht normales Ereignis?
摘要
Ausgehend von einer im Kontext von Traumabehandlung alltagspraktisch häufig verwendeten Formulierung, wonach ‚Trauma die normale Reaktion auf ein nicht-normales Ereignis‘ sei, wird im Beitrag anhand der responsiven Phänomenologie von Bernhard Waldenfels der Frage nach Trauma und Affekt(en) aus phänomenologischer, sozialwissenschaftlicher und kritischer Perspektive nachgegangen. Wesentlich sind dabei die Begrifflichkeiten von Trauma, Reaktion, Normalität und Ereignis. Sie werden in ihren unterschiedlichen phänomenalen und wissenschaftlichen Dimensionen und in Bezug auf phänomenologische Überlegungen zu Affekten und das Konzept von Pathos und Response sowohl auf das Trauma-Phänomen selbst als auch auf den individuellen und gesellschaftlichen Umgang damit befragt. Dabei wird der Versuch unternommen zu zeigen, wie fruchtbar die Philosophie von Bernhard Waldenfels im Spezifischen und phänomenologische Zugänge im Allgemeinen für die Beschreibung und das Verständnis von Trauma und Affekten sein können. Gleichzeitig werden Trauma und Affekte über das individuelle Widerfahrnis hinausgehend in soziale und politische Kontexte gestellt. Möglichkeiten und Grenzen des phänomenologischen Zugangs werden aus den Perspektiven einer kritischen Gesellschaftstheorie und einer kritischen Phänomenologie thematisiert. Anschließend an Bernhard Waldenfels’ responsive Ethik geht es in Bezug auf Trauma sowohl um individuelle als auch um kollektive Antworten auf das Traumageschehen, das als existenzielle und affektive Grenzerfahrung Subjekte zutiefst in ihrem „Weltglauben“ und in Bezug auf Umwelt und Mitwelt erschüttert und einen Appell zu antworten evoziert.