Risse im Bezugsgewebe. Gewalt als Gründungsmoment politischer Gemeinschaft
摘要
Der Artikel untersucht die Entstehung politischer Gemeinschaften aus sozialphänomenologischer Perspektive. Er greift maßgeblich auf Hannah Arendts Konzept des „Bezugsgewebes menschlicher Angelegenheiten“ und Alfred Schütz‘ Theorie der Sinnprovinzen zurück. Dieser Essay versucht zu zeigen, dass sich politische Vergemeinschaftung in gewaltsamen Einschränkungen des "Ich kann" begründet. Am Beispiel aktueller Demonstrationsbewegungen wie Fridays for Future und den Querdenker-Protesten veranschaulicht er, wie sich die gewaltsame Widerständigkeit mit anderen sozialen Akteur:innen in ihrer Teilhabe entfaltet. Dies wird als Riss im Bezugsgewebe erfahrbar, welcher es uns gemeinsam unmöglich macht, uns verstehbar in die geteilte Lebenswelt einzubringen. Politische Gemeinschaft geht demnach wesentlich auf eine Erfahrung von gemeinsamer Bewältigung dieses Risses zurück. Indem wir uns in der Sinnprovinz des Politischen koordiniert zu etwas Alltäglich-Problematischem verhalten, erscheint die Welt als eine sinnhaft gemeinsame. Die Studie erweitert den Diskurs zur politischen Phänomenologie, indem sie Gewalt als zentrale Kategorie für die Genese und Transformation politischer Identität und Kollektivität theorisiert.