Governance in der Kritik. Ist die Governance-Perspektive noch zeitgemäß?
摘要
Der Governance-Begriff hat seit Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre zu etlichen Kontroversen innerhalb der Politik- und Verwaltungswissenschaft geführt. Ziel des Beitrags ist es, kritische Betrachtungsweisen und Argumente zum Governance-Diskurs zusammenzufassen. Dabei handelt es sich um die Unklarheit des Begriffs. Ebenso stellt sich die Frage nach der Überlappung von präskriptiv-normativen und empirisch-analytischen Aspekten. Etliche der Debatten drehen sich um Fragen der Steuerungsmöglichkeiten und deren Bewertung, die u. a. in der politikwissenschaftlichen Verwaltungswissenschaft eine jahrzehntelange Tradition haben, weshalb hier, zumindest rudimentär, auf theoriegeschichtliche Entwicklungen des Begriffs eingegangen wird. Schließlich stellt sich die Frage, welche praktische Relevanz und Problemlagen Governance-Arrangements haben. Empirische Studien deuten darauf hin, dass die tatsächliche Bedeutung überschätzt wurde. Und schließlich muss die Governance-Perspektive hinsichtlich ihrer Blindheit für gesellschaftliche Machtstrukturen und Verteilungskonflikte sowie soziale Ungleichheit und politische Kultur hinterfragt werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit die Governance-Perspektive noch zeitgemäß ist.