Zur „zentrifugalen Kraft“ aktivistischer Kunst. Überlegungen am Beispiel einer künstlerischen Protestaktion
摘要
In der Gesellschaftstheorie wird das Feld der Kunst häufig als klein und einflussreich betrachtet. Andreas Reckwitz führte den Umstand, dass sich Kreativität als künstlerisches Prinzip zum Ende des 20. Jahrhunderts zu einem zentralen Wert spätmoderner Gesellschaften entwickelt habe, nicht zuletzt auf eine „zentrifugale Kraft“ (Reckwitz, 2013, S. 54) der Kunst zurück. Im 21. Jahrhundert sind die Werte, die vom Kunstfeld ausgehen, jedoch deutlich andere. Nicht nur wird der Kreativität im Kunstfeld inzwischen eine „Absage“ erteilt (van den Berg, 2009), es zählt stattdessen zunehmend eine aktivistische Dimension künstlerischer Praktiken und somit gesellschaftspolitische Relevanz. Aber macht ein Kunstfeld, in dem aktivistische Positionen an Bedeutung gewinnen, politisches Engagement zu einem gesellschaftlichen Desiderat? Am Beispiel einer performativen Aktion im Rahmen der Proteste um den Brexit diskutiert dieser Beitrag, wie sich künstlerisch-aktivistische Ansätze zu dieser Vorstellung einer „zentrifugalen Kraft“ der Kunst verhalten.