Die Bedeutung der Schnittstellen zwischen künstlerischer Praxis und politischer Intervention ist zwar unbestritten, doch sind sie im europäischen und US-amerikanischen Raum nur selten Gegenstand systematischer Analysen. Autor*innen in Lateinamerika hingegen haben sich spätestens seit den 1970er Jahren intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Kunst und Politik aufeinander einwirken können. Der Beitrag nimmt Nelly Richard und Néstor García Canclini als exemplarische Vertreter*innen in den Blick und beleuchtet ihre kunstsoziologischen und kulturkritischen Analysen der Grenzüberschreitungen zwischen künstlerischem und politischem Feld näher. Dabei setzen sie zum Teil unterschiedliche Akzente: Während Richard die Rolle von Erinnerungen und das kritische Potenzial der Kunst im Verhältnis zu den Mainstream-Medien betont, konzentriert sich García Canclini insbesondere auf das Verhältnis von bürgerlicher und populärer Kunst. Gemeinsam ist der Theorieproduktion von Richard und García Canclini, dass sie auch auf in Europa entwickelte Konzepte zurückgreift. Aufgrund der gesellschaftspolitischen Verhältnisse und der kunsthistorischen Entwicklung vor Ort zeigen sich jedoch sehr unterschiedliche Tendenzen und inhaltliche Thesen. Eine Rolle spielt hierbei die Schließung politischer Räume, wie sie beispielsweise durch zivil-militärische Diktaturen in den 1970er und 1980er Jahren erfolgte. Dies hat zu einer verstärkten Beschäftigung mit den interventionistischen Potenzialen der Künste geführt, die es im deutschsprachigen Raum noch weiter zu untersuchen gilt.

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Kunst als Politische Intervention. Zwei Kunstsoziologische und Kulturkritische Perspektiven aus Lateinamerika

  • Hannah Katalin Grimmer,
  • Jens Kastner

摘要

Die Bedeutung der Schnittstellen zwischen künstlerischer Praxis und politischer Intervention ist zwar unbestritten, doch sind sie im europäischen und US-amerikanischen Raum nur selten Gegenstand systematischer Analysen. Autor*innen in Lateinamerika hingegen haben sich spätestens seit den 1970er Jahren intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Kunst und Politik aufeinander einwirken können. Der Beitrag nimmt Nelly Richard und Néstor García Canclini als exemplarische Vertreter*innen in den Blick und beleuchtet ihre kunstsoziologischen und kulturkritischen Analysen der Grenzüberschreitungen zwischen künstlerischem und politischem Feld näher. Dabei setzen sie zum Teil unterschiedliche Akzente: Während Richard die Rolle von Erinnerungen und das kritische Potenzial der Kunst im Verhältnis zu den Mainstream-Medien betont, konzentriert sich García Canclini insbesondere auf das Verhältnis von bürgerlicher und populärer Kunst. Gemeinsam ist der Theorieproduktion von Richard und García Canclini, dass sie auch auf in Europa entwickelte Konzepte zurückgreift. Aufgrund der gesellschaftspolitischen Verhältnisse und der kunsthistorischen Entwicklung vor Ort zeigen sich jedoch sehr unterschiedliche Tendenzen und inhaltliche Thesen. Eine Rolle spielt hierbei die Schließung politischer Räume, wie sie beispielsweise durch zivil-militärische Diktaturen in den 1970er und 1980er Jahren erfolgte. Dies hat zu einer verstärkten Beschäftigung mit den interventionistischen Potenzialen der Künste geführt, die es im deutschsprachigen Raum noch weiter zu untersuchen gilt.