„wir sind wundgescheuert tatsächlich alle“ – Wissenschaftskommunikation zwischen Anspruch und Frustration
摘要
Mit Beginn der Corona-Pandemie hat sich ein öffentliches Bedürfnis an externer Wissenschaftskommunikation ergeben, weshalb insbesondere Virolog:innen ins Zentrum des massenmedialen Interesses rückten. Diese avancierten u. a. zu Dauergästen in Polit-Talkshows, in denen sie sich im Spannungsfeld Wissenschaft – Politik – Medien positionieren mussten. Mit Fokus auf die Wissenschaftler:innen Melanie Brinkmann, Hendrik Streeck und Alexander Kekulé wendet sich dieser Beitrag am Beispiel von Polit-Talkshows der Tatsache zu, dass es im Verlauf der pandemischen Wellen innerhalb der massenmedialen Berichterstattung zu einer Fokusverschiebung kam: Wurden die Wissenschaftler:innen zu Beginn zu ihrer Expertise befragt und sollten wissenschaftliche Erkenntnisse, Methoden und Statistiken der breiten Öffentlichkeit erklären, zeigt sich im weiteren Verlauf, dass sie zusehends als Privatpersonen adressiert und/oder zu politischen Statements aufgefordert werden. Dies wiederum hat nicht nur zu Grenzziehungspraktiken auf Seiten der Wissenschaftler:innen geführt, sondern auch zu deutlichen Unbehagens- und Frustrationsäußerungen. Auf Basis der Interaktionalen Linguistik deckt der Beitrag zum einen die Veränderungen im sprachlich-kommunikativen Verhalten der Akteur:innen im Zeitraum von März 2020 bis April 2021 auf und zeigt zum anderen, welche Problemgemenge sich aus Sicht der Forscher:innen ergeben haben.