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Unsichere Zeiten. Grammatische Reflexe im Corona-Pandemieverlauf

  • Elisabeth Scherr

摘要

Der Beitrag untersucht die sprachliche Übermittlung von ungesicherten Informationen während des Pandemieverlaufs von Covid-19 in der Anfangszeit. Es entsteht eine kommunikativ herausfordernde Situation, wenn Verantwortungsträger wie Politiker:innen oder Expert:innen einerseits gefordert sind, Informationen und Handlungsanweisungen zu liefern, ihnen andererseits für fundierte Reaktionen nur begrenzt verlässliche Daten zu Verfügung stellen. Besonderes Augenmerk wird auf nicht-saliente, grammatische Mittel zum Ausdruck unsicherer Faktenlagen gelegt, konkret wird eine quantitativ-qualitative Analyse epistemisch verwendeter Modalverben in Pressetexten durchgeführt. Für den Untersuchungsgegenstand sind informationsorientierte Zeitungstexte besonders relevant, da hier ein Abweichen von der Übermittlung rein objektiver Fakten mehr oder weniger gravierende Sanktionen nach sich ziehen kann, was wiederum den Einsatz nicht-salienter sprachlicher Strategien motiviert. Dabei stellt sich die Frage, ob die Verwendung epistemischer Modalverben den prinzipiell zunehmenden Informationsgrad im Pandemieverlauf widerspiegelt. Die Ergebnisse zeigen, dass die relative Verwendungshäufigkeit dieser Verben mit fortgeschrittenem Pandemieverlauf tatsächlich abnimmt, Schwankungen der Frequenz jedoch gleichzeitig mit einer Verlagerung der Themen (von allgemeiner Verunsicherung über die Impfdebatte bis hin zu Langzeitfolgen) einhergehen. Signifikante Unterschiede zwischen den analysierten Tageszeitungen ergeben sich auch bei der Nennung von Quellenangaben, die als Anlass für eine getätigte Schlussfolgerung oder Vermutung angeführt werden können. – Qualitätszeitungen verwenden zwar mehr epistemische Modalverben, jedoch meist mit Berufung auf eine verlässliche Instanz.