Chilling everybody with ‘facts’: Die Corona-Pandemie als Diskurs- und Wissenskrise
摘要
Ausgangspunkt des vorliegenden Textes ist die Beobachtung einer Ausbreitung der medizinischen Sprache des Viralen in außer-medizinische Kontexte wie sie in der Zeit der Corona-Pandemie massenmedial beobachtbar wurde. Um diese semantische Diffusion als Symptom einer gesamtgesellschaftlichen Wissenskrise sichtbar zu machen, wird der öffentlichen Umgang mit besimmten ‚Wahrheitsbegriffen‘ anhand von Wahrnehmungsschemata historischer Seuchen-Narrative in Beziehung gesetzt, die sich auf Ursprung und Verbreitung einer Seuche beziehen. In diesem historischen Vergleich soll die Rhetorik des Viralen als Teil einer medialen Affektpolitik nachvollziehbar werden. Sie manifestiert sich in ‚Wahrheitspraktiken‘ einzelner Medienformate, welche die Intension der ‚Verschwörungstheoriebekämpfung‘ verfolgen. Solche Praktiken werden auf ihr vermeintlich erkenntnisförderndes Potenzial befragt, da sie sich in ihrem Selbstverständnis als aufklärerisch und dem Gemeinwohl verpflichtet sehen. Die Ergebnisse aus der Analyse von Wahrheitspraktiken werden anschließend aus einer demokratietheoretischen Perspektive als sogenannte ‚Chilling-Effekte‘ vorgestellt. Im Ausblick wird ihr destruktives Potenzial anhand der Diskurstheorie von Jürgen Habermas als Fortsetzung der Kolonialisierungsprozesse von Medien-Öffentlichkeiten diskutiert.