Digitale Gefühlsexpertise – Zur Erzeugung epistemischer Autorität im Mood Tracking
摘要
Im vorliegenden Kapitel liegt der Fokus auf der legitimatorischen Dimension der Selbstpräsentationen von Mood Tracking-Apps. Dabei wird von der Prämisse ausgegangen, dass erst die Plausibilisierung von Zuständigkeit und Kompetenz für die angesprochenen Zielgruppen und beanspruchten Anwendungsbereiche eine für die Mobilisierung potenzieller Nutzer*innen notwendige epistemische Autorisierung von Mood Tracking-Apps als ‚digitale Gefühlsexperten‘ ermöglicht. In anderen Worten: Adressierte – d. h. mögliche App-User*innen – müssen nicht nur informiert und interessiert werden, sondern die Adressierenden – d. h. App-Entwickler*innen sowie die Apps selbst – müssen sich auch als zuständig und kompetent ausweisen; sie müssen sozusagen verständlich machen können, mit welchem Recht sie sich eigentlich an ihr Publikum richten. In den diskursiven Selbstpräsentationen der Apps, welche zuvorderst auf die Gewinnung und Anwerbung von Nutzer*innen abzielen, wird allerdings nicht nur Legitimationsarbeit, sondern auch wesentlich „Abgrenzungsarbeit“ bzw. „boundary work“ geleistet.