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Der methodologische Rahmen

  • Nils Schrewe

摘要

Für eine empirisch fundierte Rekonstruktion biografischer Bildungsprozesse wird in diesem Rahmenkapitel der theoretische Rahmen an einen methodologischen Rahmen angeschlossen. Dabei wird der bereits von anderen Autorinnen verfolgte Anspruch, den Bildungsbegriff sowohl auf einer theoretischen als auch auf einer empirischen Ebene zu revitalisieren, geteilt. In diesem Sinne wird, ebenso wie bei anderen Autorinnen, Bildungstheorie und empirische Bildungsforschung in ein Wechselverhältnis gestellt (Marotzki, 1990; Koller, 1999; Herzberg, 2002; Nohl, 2006; Lüders, 2007; Kokemohr, 2008; El-Mafaalani, 2012; Rosenberg, 2011, 2014; Nohl, Rosenberg & Thomsen, 2015; Rose, 2011; Schmidt, 2018; Thomsen, 2020). Während in den exemplarisch genannten Arbeiten – zumindest ganz allgemein gesprochen – ein Konsens dahingehend besteht, dass Bildung als ein Transformationsgeschehen zu begreifen ist, bauen die erwähnten Arbeiten teilweise auf sehr unterschiedlichen theoretischen Linien auf. Eine von mehreren Autor*innen geteilte Linie stellt die, auch in dieser Arbeit reklamierte, habitustheoretische Erforschung von Bildungsprozessen dar. Neben der habitustheoretischen Linie teilen die genannten Arbeiten jedoch noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie alle bauen zur empirischen Einholung des formaltheoretischen Habituskonzepts auf einem methodischen Rahmen auf, der abseits eines "hypothetiko-deduktiven Paradigmas" (Kelle, 1994, S. 286) liegt, wodurch die Bedeutung der Empirie als Grundstock für weitere theoretische Ausdifferenzierungen hervorgehoben wird. Innerhalb dieses Kapitels folgt die empirische Auseinandersetzung mit dem Datenmaterial somit ebenso dem Anspruch, nicht nur dezidierte Habitusanalysen zu betreiben, sondern auch neue theoretische Ideen zu entwickeln und nicht nur deduktiv gewonnene Hypothesen zu überprüfen. Während Herzberg (2004) für die von ihr vorgenommenen Habitusrekonstruktionen und die damit zusammenhängenden empirisch-theoretischen Reflexionen auf die Grounded Theory zurückgreift, erklären Rosenberg (2011), El-Mafaalani (2012), Nohl, Rosenberg & Thomsen (2015) sowie Thomsen (2020) die Dokumentarische Methode zum Ausgangspunkt ihrer methodischen Analyse. Dieser Ansatz wird hier ebenfalls angewendet. Damit wird innerhalb dieses Kapitels eine Brücke zu einem Forschungsverständnis aufgebaut, bei dem Hypothesen, Begriffe und Ideen für theoretische Konzepte nicht aus bereits bestehenden Theorien abgeleitet werden, sondern erst in der Konfrontation mit dem empirischen Feld „entdeckt“ und in einem kontrollierten methodischen Verfahren zu einer (gegenstandsbezogenen) „Theorie mittlerer Reichweite verdichtet werden“ (Glaser & Strauss, 1979, S. 95). Dazu werden über sechs Unterkapitel die Dokumentarische Methode, das biografische Interview, die komparative Analyse und unterschiedliche Formen der Typenbildung sowohl vorgestellt als auch mit Bourdieus Theoriegebäude in Beziehung gesetzt. Dabei wird insbesondere darauf Bezug genommen, dass die praxeologische Wissenssoziologie, die maßgeblich auf Karl Mannheims Grundannahme einer ‚Seinsverbundenheit des Wissens‘ aufbaut, die soziale Verfasstheit und Perspektivität von Wissen betont. Ähnlich wie Bourdieus Habitustheorie zielt sie somit darauf ab, den Dualismus von Subjektivismus und Objektivismus zu überwinden. Zum Ende des Kapitels erfolgt eine Reflexion der eigenen Vorgehensweise, anhand derer das praxeologische Fundament und der methodologische Perspektivwechsel vom ,Was‘ zum ,Wie‘ noch einmal theoretisch, wie forschungspraktisch eingeordnet werden.