Einleitung
摘要
Das Handeln der Politiker*innen in der Coronakrise hat uns vor Augen geführt, wie wichtig die Entscheidungsfindung bei Ungewissheit ist. Während dies in der Politik ein Krisenphänomen ist, möchte ich mit der vorliegenden Arbeit ein Bewusstsein für einen Berufszweig schaffen, in dem Entscheidungen bei Ungewissheit nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind, womit ich zum Thema dieser Arbeit komme: Lernen und Bildung am Finanzmarkt. Entscheidungen an der Börse – so die Ausgangsannahme der Studie – sind nicht nur durch eine unsichere Informationslage, rationale Überlegungen, ein gewisses Risiko und sich teilweise diametral gegenüberstehende, ambigue Handlungsimpulse geprägt, sondern werden auch von habitualisierten Praktiken durchdrungen. Anhand dieses Ansatzes wird der dominierende finanzwissenschaftliche Diskurs, welcher implizite Wissensbestände auf der Ebene des Habitus weitgehend abblendet, innerhalb dieser Arbeit somit um Perspektiven aus der Soziologie und der Bildungswissenschaft erweitert, um einen umfassenden Blick auf die Subjektfigur des Traders zu bekommen. Dieses Kapitel gibt somit einen ersten Einblick in die bildungstheoretische Perspektive, mit der innerhalb dieser Arbeit den Biografien von Tradern analytisch begegnet wird, wodurch abseits einer rein rationalen Betrachtung menschlicher Handlungsvollzüge, auf empirischem Wege idealiter auch die komplex angelegten Selbst- und Weltverhältnisse von Börsianern in den Blick geraten. Auf diese Weise wird im Zuge dieser Studie ein Zugang zu Lern- und Bildungsprozessen von Tradern hergestellt. Zur Umsetzung dieses Vorhabens wird in diesem Kapitel dargelegt, in welchen wissenssoziologischen und methodisch-methodologische Annahmen diese Studie fundiert ist, so dass im empirischen Teil der Untersuchung die impliziten Orientierungsrahmen und Wissensstrukturen der Trader offengelegt werden können. Das Kapitel schließt mit einer Übersicht über die Anlage und die einzelnen Teilbereiche der Studie.