Eine nicht-anthropozentrische Philosophie wäre, so die hiesige Argumentation, zu binden an eine Ontologie oder besser Quasi-Ontologie, die Ereignisse nicht-anthropomorpher Natur miteinzubeziehen und als für menschliches und anderweitiges Dasein konstitutiv zu erklären sucht. Ein solchermaßen erweitertes Denken, das nicht das Einzelhirn als Produzent von Welterkenntnis versteht, sondern von einem unüberschaubaren Zusammenspiel möglicher Einsichten, auch von der Notwendigkeit der Erhellung von Uneingestandenem ausgeht, unterhält eine polemische Nähe zur aufklärerischen Philosophie. Mit Absicht sprengt es die egozentrischen Verrasterungen unseres Weltverhältnisses durch Hinweise auf unberücksichtigte Vorgänge, auf mit dem menschlichen Auge nicht erkennbare Wechselbeziehungen, auf nicht bedachte Zusammenhänge auf. Es widersetzt sich der instrumentalen Ausrichtung des Verstandes, die im Übrigen ja bereits die Kritische Theorie moniert. In Nähe zu dieser weist es den instrumentellen und herrschaftsorientierten Umgang mit Nichtanthropomorphem zurück, welcher „der Aufklärung noch den letzten Rest ihres eigenen Selbstbewusstseins ausgebrannt hat“ (Horkheimer und Adorno 1969, S. 8). Stattdessen sucht es ein Denken des Apersonalen und Dividuellen zu befördern, das nicht von einem absorptionsbedachten Individuum seinen Ausgangspunkt nimmt, welches seine Reflexion leistungsfördernder Identitätsbildung untertan macht. Gesucht wird vielmehr ein personales Verständnis, das sich, angestoßen durch Unvorhersehbares und Unberechenbares, von diesem durchquert, herausgefordert und dividuiert versteht.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Identität versus Dividuation

  • Michaela Ott

摘要

Eine nicht-anthropozentrische Philosophie wäre, so die hiesige Argumentation, zu binden an eine Ontologie oder besser Quasi-Ontologie, die Ereignisse nicht-anthropomorpher Natur miteinzubeziehen und als für menschliches und anderweitiges Dasein konstitutiv zu erklären sucht. Ein solchermaßen erweitertes Denken, das nicht das Einzelhirn als Produzent von Welterkenntnis versteht, sondern von einem unüberschaubaren Zusammenspiel möglicher Einsichten, auch von der Notwendigkeit der Erhellung von Uneingestandenem ausgeht, unterhält eine polemische Nähe zur aufklärerischen Philosophie. Mit Absicht sprengt es die egozentrischen Verrasterungen unseres Weltverhältnisses durch Hinweise auf unberücksichtigte Vorgänge, auf mit dem menschlichen Auge nicht erkennbare Wechselbeziehungen, auf nicht bedachte Zusammenhänge auf. Es widersetzt sich der instrumentalen Ausrichtung des Verstandes, die im Übrigen ja bereits die Kritische Theorie moniert. In Nähe zu dieser weist es den instrumentellen und herrschaftsorientierten Umgang mit Nichtanthropomorphem zurück, welcher „der Aufklärung noch den letzten Rest ihres eigenen Selbstbewusstseins ausgebrannt hat“ (Horkheimer und Adorno 1969, S. 8). Stattdessen sucht es ein Denken des Apersonalen und Dividuellen zu befördern, das nicht von einem absorptionsbedachten Individuum seinen Ausgangspunkt nimmt, welches seine Reflexion leistungsfördernder Identitätsbildung untertan macht. Gesucht wird vielmehr ein personales Verständnis, das sich, angestoßen durch Unvorhersehbares und Unberechenbares, von diesem durchquert, herausgefordert und dividuiert versteht.