Foltersituationen: Phänomenologische und soziologische Vorüberlegungen
摘要
Das Kapitel stellt theoretische Überlegungen anhand der Folterdefinition der Vereinten Nationen sowie von soziologischer, phänomenologischer sowie weiterer folterbezogener Literatur darüber an, was Folter(-situationen) und ihre Funktionsweise ausmacht. Ausgangspunkt ist ein interaktionstheoretisches Verständnis von sozialen Situationen als raumzeitliche Einheiten, die im Sinne Erving Goffmans durch gegenseitige Präsenz und Wahrnehmbarkeit von Interaktionspartner:innen definiert ist. Foltersituationen zeichnen sich durch eine extreme Machtungleichheit aus, denn Folternde nutzen ihre Übermacht und die vielfältigen Verletzbarkeiten des Menschen aus, um Gefangene mittels Gewalt in Leiden zu versetzen. Dabei ist Folter als ein intersubjektiver Prozess zu verstehen. Gefolterte sind zudem nicht rein passiv leidende Opfer, deren agency vollständig zerstört ist. Foltersituationen sind daher trotz ihrer extremen Asymmetrie soziale Situationen.