Gefolterte zwischen Ohnmacht und Widerständigkeit
摘要
Das Kapitel diskutiert die massiv eingeschränkte und ambivalente Handlungsfähigkeit von Gefolterten. Phänomenologisch-theoretische Auseinandersetzungen mit Folter skizzieren in Anschluss an Jean Amery und Elaine Scarry für gewöhnlich eine maximale Machtdifferenz, die dem Opfer keine agency mehr lässt. Bei genauerer Betrachtung erfahren sich Gefolterte ihres Ausgeliefertseins zum Trotz durchaus als handelnd und teils sogar widerständig. Denn zum einen adressiert die Folter sie, beispielsweise bei instrumenteller Machtausübung über Konditionierungslogik, als handlungsfähige Subjekte. Zum anderen können Gefolterte auch eigenständige agency entwickeln, also solche, die nicht von den Folternden intendiert (oder ‚gesteuert‘) wurde wie kollektive Hungerstreiks oder religiöse Handlungen.