Sind Initiativen zur Ausrichtung des Muttersprachlichen Unterrichts nach dem Konzept „Nation“ Ausdruck eines legitimen Kampfs um Anerkennung?
摘要
Fluchtbewegungen als Folge des Zerfalls der Sozialistischen Föderativen Republik (SFR) Jugoslawien zu Beginn der 1990er hatten schulpädagogisch in Österreich zur Konsequenz, dass der Muttersprachliche Unterricht (MU) im Jahr 1992 staatlich finanziert eingeführt wurde und der Grundsatzerlass „Interkulturelle Bildung“ als alle Schulstufen und Schularten übergreifendes Unterrichtsprinzip geltend gemacht wurde. Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS) zählt heute neben Türkisch und Arabisch zu den am meisten vertretenen Sprachen des MU in Österreich. Im Juni 2020 hatte aber eine parlamentarische Bürger*inneninitiative einen Antrag eingebracht, um Kroatisch als eigenständigen muttersprachlichen Unterricht zu sichern. Ihr Anliegen war es, die kroatische Sprache aus dem ihr künstlich erscheinenden BKS-Konstrukt zu lösen bzw. die endgültige Trennung dieser drei Sprachen zu gewährleisten. Der vorliegende, diskursanalytisch rekonstruktiv gestaltete Beitrag verfolgt die Frage, ob die Ausrichtung eines MU gemäß dem Konzept „Nation“ aus migrationspädagogischer Sicht als Ausdruck eines legitimen Kampfs um Anerkennung gewertet werden kann. Gibt hier „eine Nation, eine Sprache“ den Ausschlag oder die womöglich identitätspolitische Vorstellung „Kroat*in bist du überall, solange du Kroatisch sprichst“?