Perspektiven auf den Muttersprachlichen Unterricht: Marginalisierung, Unsicherheit und komplexe Kehrseiten
摘要
„Wenn zwei Schlagworte gefunden werden müssten, um die gegenwärtige Lage der LehrerInnen für den muttersprachlichen Unterricht in Österreich zu charakterisieren, so wären dies wohl: Marginalisierung und Unsicherheit.“ So fassten (Çınar, D. & Davy, U. (1998). Von der Rückkehrförderung zum Interkulturellen Lernen: Rahmenbedingungen des muttersprachlichen Unterrichts. In D. Çınar (Hrsg.), Gleichwertige Sprachen? Muttersprachlicher Unterricht für die Kinder von Einwanderern (S. 23–40). Innsbruck, Wien: Studienverlag.) in einer grundlegenden – durchaus bahnbrechenden – Studie die Rahmenbedingungen von Lehrpersonen für Muttersprachlichen Unterricht (MU) in Österreich zusammen. Die in dieser Studie, die wir in Abschn. 2.3 genauer vorstellen, als prekär analysierte Situation von Lehrpersonen wurde von den Autor:innen Ende der 1990er-Jahre optimistisch als „gegenwärtig“ bezeichnet. Die Studie wurde nota bene 20 Jahre nach den ersten, Mitte der 1970-er Jahren noch bilateral organisierten Formen des Muttersprachlichen Unterrichts (damals muttersprachlicher Zusatzunterricht genannt, vgl. Çınar und Davy 1998, S. 24 angesetzt, um zum ersten Mal überhaupt die (gesetzliche, institutionelle und erlebte) Situation der Lehrpersonen des Muttersprachlichen Unterrichts in Österreich systematisch zu untersuchen. Daran anknüpfend fragen wir in unserer Studie WALMU („Wahrnehmungen von Lehrpersonen für den Muttersprachlichen Unterrichts“, s. Abschn. 3), ob und was sich in den 20 Jahren seit der Erhebung von (Çınar, D. (Hrsg.) (1998). Gleichwertige Sprachen? Muttersprachlicher Unterricht für die Kinder von Einwanderern. Innsbruck, Wien: Studienverlag.) in den Augen der Lehrpersonen bezüglich der Arbeitsbedingungen verändert hat, wie sich diese Veränderung in ihren Narrativen manifestiert und was das für ihre berufliche Identitätskonstruktion bedeutet.