Migrationspädagogische Perspektiven auf das Berufsalltagserleben und die professionelle Selbstwahrnehmung von Lehrkräften des erstsprachlichen Unterrichts in Österreich
摘要
Unterricht in der Mutter- bzw. Herkunfts- oder Erstsprache wird in Österreich seit den 1990er Jahren angeboten. Untersuchungen aus dieser Zeit zeigen, dass nur wenige Lehrkräfte explizit sprachdidaktisch qualifiziert waren und unter prekären Bedingungen arbeiteten (Çınar 1998). Über die aktuelle Situation ist wenig bekannt. Erste Anhaltspunkte dafür, dass sich die Umstände nicht wesentlich verändert haben, bieten zehn Expert:inneninterviews, die im November 2015 mit Teilnehmenden eines Hochschullehrgangs zum muttersprachlichen Unterricht in Oberösterreich geführt wurden. In unserem Beitrag stellen wir die Ergebnisse einer Sekundäranalyse des Datensatzes vor, in der entlang des Modells professioneller Handlungskompetenz (Baumert und Kunter 2006) das Berufsalltagserleben und die professionelle Selbstwahrnehmung der Befragten rekonstruiert wird. Dabei treten das Belastungserleben, das professionelle Selbstverständnis und v. a. die Rahmenbedingungen der Durchführung des Unterrichts als zentrale Kategorien hervor. In der Gesamtschau werden akademisch gebildete, engagierte und anpassungsfähige Lehrkräfte sichtbar, die im Zuge der linguizistischen Rahmenbedingungen ihrer beruflichen Tätigkeit hohen Belastungen ausgesetzt sind und deren professionelles Selbstverständnis unter gegebenen bildungspolitischen Umständen im Spannungsfeld zwischen Schulleitung, Erziehungsberechtigten und Schüler:innen fortlaufend irritiert wird.