Ist es an der Zeit, über Nichtkommunikation nachzudenken? ZeroCommunication und Strategic Silence in der Nachhaltigkeitskommunikation
摘要
Mit den wachsenden Herausforderungen für das Nachhaltigkeitsmanagement steigen auch die Erwartungen an die Kommunikation über nachhaltiges Handeln, einen positiven Beitrag zur Leistungserstellung zu leisten: Das nachhaltige Handeln von Organisation kann ihnen – glaubwürdig und strategisch kommuniziert – das Unterstützungspotenzial ihrer relevanten Stakeholder sichern und die Legitimation dauerhaft zu erhalten. Zugleich sind mit dieser performativen Rolle und Funktion eines öffentlichen Deklarierens (Morsing und Spence, 2019) höhere Risiken für Unternehmen verbunden. Aus diesem Grunde wird in der Kommunikationswissenschaft zunehmend dieses Dilemma, aber auch der Charakter der CSR- bzw. Nachhaltigkeitskommunikation untersucht und diskutiert. Als (zu) wenig diskutiert muss jedoch in diesem Zusammenhang die Frage angesehen werden, welche Grenzen die Kommunikation hat. Gerade angesichts steigender gesellschaftlicher Erwartungen an nachhaltiges Handeln und einem zunehmenden Skeptizismus gegenüber der CSR- und Nachhaltigkeitskommunikation zeigt sich eine Handlungsunsicherheit bei Unternehmen. Der Beitrag stellt daher die Frage: Also doch lieber nicht kommunizieren? Ausgehend von dieser Frage beschäftigt sich der Beitrag mit der Option einer ZeroKommunikation, wobei das Reduzieren von Kommunikation auf Null bisher lediglich lediglich als ein theoretisches Konstrukt aus der Cryptographie bekannt ist. Eine sog. strategic silence als Handlungsoption in der Krisenkommunikation bekannt (Carlos und Lewis, 2018; Pang et al. 2021). Ausgehend von der dialektischen Frage einer Nicht-Kommunikation wird die Frage diskutiert, auf Basis welcher Überlegungen die Option zur ZeroKommunikation durch ein Unternehmen gewählt werden kann. Kann diese Kommunikation jedoch selbst auch nachhaltig sein? Es ist an der Zeit, über eine Nicht-Kommunikation nachzudenken und diese als reguläre Handlungsoption in die eigene Kommunikation über nachhaltiges Handeln einzubeziehen. Dies wird – ausgehen vom konstitutiven Charakter der Kommunikation – auf Basis der Erkenntnisse zur CSR- und Nachhaltigkeitskommunikation betrachtet. Der Beitrag verbindet die konstitutive Logik der Kommunikation mit der Stakeholder-Fokussierung und integriert vorhandene Grenzen ebendieser Kommunikation.