Amerikanische Elite-Hochschulen und ihre Zulassungskriterien. Zur Rhetorik und organisationalen Funktion „ganzheitlicher“ Bewertungen
摘要
Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den Zulassungsverfahren von amerikanischen Elite-Hochschulen mit besonderem Augenmerk auf deren Philosophie der holistic admissions, also „ganzheitlichen Zulassung.“ Holistic admissions bedeutet, dass amerikanische Elite-Hochschulen ihre Studierenden nicht ausschließlich auf Basis von akademischen Kriterien (wie zum Beispiel Schulnoten oder Zulassungsprüfungen) selektieren, sondern im Rahmen ihrer Zulassung auch eine Reihe anderer Kriterien berücksichtigen, wie beispielsweise sportliche oder musische Leistungen, Interessen und Persönlichkeitsmerkmale der Bewerber*innen oder sogar deren sozialen Hintergrund. Amerikanische Elite-Hochschulen betonen daher gerne, dass sie Zulassungsentscheidungen auf einer ganzheitlichen Betrachtung von Bewerber*innen fällen. Dieser Beitrag zeichnet die Geschichte dieses Prinzips der Hochschulzulassung auf der Basis von Pionierarbeiten von amerikanischen Soziolog*innen nach und unterzieht es daraufhin einer kritischen organisationssoziologischen Analyse. Die zentrale These des Beitrags lautet, dass der Ansatz der ganzheitlichen Zulassung nur vordergründig einem Verantwortungsgefühl gegenüber Bewerber*innen entspringt, sondern vielmehr handfesten Interessen von Elite-Hochschulen dient, wie zum Beispiel der Aufrechterhaltung ihrer finanziellen Stabilität oder der Wahrung ihrer Legitimität in den Augen der breiteren Öffentlichkeit.