Denken und Deuten in Metaphern
摘要
Metaphern durchdringen, wie Lakoff und Johnson (2011) bemerken, alle Bereiche unseres alltäglichen Lebens. Dabei sind sie mehr als sprachliche Stilmittel, also bloße Substitutionen im Sinne poetischer Ausschmückungen; sie bilden komplexe und kohärente metaphorische Konzepte, die als solche unser Denken und Handeln strukturieren. Löst man Metaphern aus dem engen sprachwissenschaftlichen Korsett, besteht aus einer wissenssoziologischen Perspektive ihre zentrale Funktion darin, dass sie bestimmte Wissenselemente eines Konzepts auf ein anderes applizieren bzw. transportieren (hierzu v. a. Schmitt 2004) können. Mit Blick auf das Konzept der traveling concepts kann diese Sichtweise dahingehend verlängert werden, dass Metaphern sowohl verreistes Wissen indizieren als auch gleichzeitig ein Medium oder Vehikel, sind in dem Wissen und damit auch Bedeutung(en) reisen kann. Metaphern sind so verstanden Mechanismen einer interpretativen Welterschließung und Praktiken der kreativen Aufnahme, Übersetzung und Transformation des Wissens. Indem Metaphern Wissen und Bedeutungen übertragen, ermöglichen sie nicht nur Neues zu erschließen und Unbegreifliches zu begreifen; sie helfen auch dabei Unbekanntes zu ordnen und Bekanntes anders und neu zu denken. Dieses interpretative Potenzial von Metaphern und reisendem Wissen stellt der Beitrag in seinen Fokus und diskutiert den Gebrauch von Metaphern als interpretative „Alltagspraxis und wissenschaftliches Programm“ (Hitzler 1993).