Repräsentationen sozialer Ungleichheit als Erfolgsfaktor? Klassen, Milieus und Lebensstile in Serienwelten des Quality TV
摘要
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Fernsehserie eine merkliche symbolische Aufwertung erfahren. Die meisten Studien zur gestiegenen Attraktivität dieses sogenannten Quality TV befassen sich entweder mit den narrativen und audiovisuellen Innovationen des Produkts oder mit dem Wandel der Aneignungsformen und -kontexte in der Rezeption. Der vorliegende Beitrag eruiert das Potenzial der neuen Formate hinsichtlich einer intensiveren Verhandlung des Sozialen in der Serie durch eine sozialstrukturell tiefe und vielfältige Einbettung der Figuren und Handlungen in die sie umgebende Seriengesellschaft. Ausgehend von dieser Prämisse werden verschiedene Konzeptionen sozialer Ungleichheit, insbesondere Klasse, Habitus, Lebensstile sowie soziale Milieus, hinsichtlich einer Applikation auf fiktionale Serienwelten bzw. deren sozialstrukturelle Verfasstheit diskutiert. Die beispielhaften Untersuchungen der Serien True Detective (USA ab 2014, HBO) und The Wire (USA 2002–2008, HBO) illustrieren einerseits den minutiösen Aufbau der Serienwelten samt ihrer Strukturprinzipien und andererseits die sich dazu homolog verhaltende kohärente soziale Charakterisierung der Figuren. Ein solcher höherer sozialer Realismus im Sinne einer sozialstrukturellen Exaktheit verweist damit nicht nur auf die gestiegene Gültigkeit und Relevanz ungleichheitstheoretischer Perspektiven für die filmsoziologische Serienforschung, sondern befördert darüber hinaus Reflexionen über (real)gesellschaftliche Zustände.