Auch eine Klassenfrage? Social TV und mediale Mikropolitiken der Community-Kommunikation des ARD/ZDF-Contentnetzwerks funk auf Instagram
摘要
Fernsehen ist durch Bezeichnungen wie ‚Unterschichtenfernsehen‘ oder ‚Qualitätsfernsehen‘ wiederkehrend bewertet worden. Dies zieht Fragen nach Diskursivierungsdynamiken solcher Begriffe nach sich. Unser Beitrag greift auf Andrea Seiers (2009) Ansatz medialer Mikropolitiken als „Techniken des Auf-Sich-Selbst-Einwirkens“ zurück, den wir auf die Diskussion plattformvermittelter Inhalte des öffentlich-rechtlichen Contentnetzwerks funk übertragen. Das Netzwerk richtet sich auf Lebenswirklichkeiten und Interessen der Zielgruppe im Alter von 14 bis 29 Jahren aus und operiert auf Social-Media-Drittplattformen. Der Einfluss von Medien in der Diskussion um soziale Zugehörigkeit erzeugt in digitalen Infrastrukturen veränderte Potenziale für die Teilnahme an Kommunikations- und Diskursivierungsprozessen. In unserer Diskussion des Accounts der Dachmarke @funk auf Instagram verknüpfen wir den Ansatz medialer Mikropolitiken nach Seier (2009) mit Perspektiven auf eine Differenzierung von Makro-, Meso- und Mikroebene in Anlehnung an den praxeologischen Ansatz der Mediensozialisationsforschung nach Paus-Hasebrink (2017). Auf Basis einer explorativen inhaltsanalytischen Beispieldiskussion des funk-Accounts auf Instagram zu den Themen Bildungschancen und soziale Gerechtigkeit wollen wir zeigen, dass sich in community-bezogenen Kommunikationsumgebungen ‚Selbstwirkungstechniken‘ nicht nur durch Verweise auf Materialien zur Selbstinformation bewähren, sondern auch durch diskursive Aushandlungen der Follower*innen. Klassenfragen werden so als Phänomen direkter wie indirekter Aushandlung diskutierbar – und zwar entlang anderer Diskursivierungsdynamiken als jene, die für Begriffe wie ‚Unterschichten‘- oder ‚Qualitätsfernsehen‘ herausgearbeitet wurden.