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Poverty Class statt Working Class. Wie Klassenfragen im ‚Unterschichten-TV‘ dargestellt werden und was dabei ‚nicht eingefangen wird‘

  • Joris Steg,
  • Lea-Sophie Natter

摘要

Nachdem die Klassentheorie und Begriffe wie Klasse und Klassengesellschaft in den Sozialwissenschaften über viele Jahre höchstens eine marginale Rolle gespielt haben, konnten diese Konzepte angesichts vermehrter Krisen sowie zunehmender Ungleichheiten in den vergangenen Jahren eine Renaissance erleben Der vorliegende Beitrag nimmt aus soziologischer Perspektive in den Blick, wie Klasse bzw. Klassen- und Ungleichheitsfragen in speziellen Formaten des sogenannten ‚Unterschichten-TV‘ abgebildet werden und was dabei ‚nicht eingefangen‘ wird. Dabei wird aufgezeigt, dass im ‚Unterschichten-TV‘ eher die Abwesenheit von Arbeit und individualisierte Armut als Lohnarbeit und die kollektive Klasse der lohnabhängig Arbeitenden dargestellt werden. Abgesehen von wenigen Ausnahmen liegt der Fokus in solchen Sendungen darauf, Armut, Elend und Prekarität auf individueller Ebene zu präsentieren, und zwar tendenziell in simplifizierender, stereotypisierender, stigmatisierender und nicht selten auch in voyeuristischer und klassistischer Weise. Systematisch unterbelichtet bleiben dabei hingegen der theoretische, kausale und politische Teil der Klassen- und Ungleichheitsproduktion. Dieses Auslassen führt, so die Schlussfolgerung des Beitrags, zur Legitimierung und Stabilisierung der bestehenden sozialen Ordnung. Insofern trägt die Darstellung von Klasse im ‚Unterschichten-TV‘ in letzter Konsequenz nicht nur zur Produktion und Reproduktion der Klassenstruktur und damit zur Verfestigung sozialer Ungleichheit bei, sondern führt auch zur Unsichtbarmachung der systemischen Ursachen sozialer Ungleichheit.